Bayer und die Pille: Nebenwirkungen, Manipulation, Marktführerschaft

12 Tote allein in Deutschland- das traurige Resultat der Verabreichung eines Verhütungsmedikaments. Das sagt zumindest eine Selbsthilfegruppe.

Marktführer aus Leverkusen

Drospirenon heißt der Wirkstoff, der in vielen Medikamenten verwendet wird, so zum Beispiel in

–          Beyaz (Bayer)

–          Gianvi ( Teva)

–          Yaz (Bayer)

–          Yasmin (Bayer)

–          Yasminette (Bayer)

–          Loryna (Sandoz)

–          Ocella (Barr, 2009 von Teva übernommen)

–          Zarah (Watson)

–          Syeda (Sandoz)

Usw.

Und wer ist der Markführer? Kein großer amerikanischer Multi wie Pfizer oder GlaxoSmithKline, nein, der Global Player sitzt in Leverkusen. Die Konkurrenz ist nur der Nachahmer: Syeda, Ocella, Zarah, Gianvi und Loryna sind alles Generika, billige Nachmacherpräparate. Kein Wunder, gehört der Pharmagigant auch zu den Top 10 der Branche, neben Firmen wie Pfizer, GSK, Roche und Novartis. Aber der Bayer-Konzern ist auch außerhalb des umkämpften Pillenmarktes tätig: als einer der größten Pestizid- Konzerne der Welt (siehe meinen Beitrag „More than Honey: das Sterben der Bienen“

Unerwünschte Nebenwirkungen

12 Tote hierzulande, fast 200 in den USA- die Bilanz der so luftig klingenden Anti-Baby-Pillen wie Yazminette oder Zarah ist erschreckend. Drospirenon soll für Thrombosen (Blutgerinnsel) oder Verschlüsse von Blutgefäßen (Embolien) z.B. in Beinen und Lunge verantwortlich sein.

Höher als bei anderen Mitteln sind die Thromboserisiken bei Drospirenon: bei einem vergleichbaren Wirkstoff (Levonorgestrel) erkranken  jedes Jahr 20 von 100.000 Frauen, die das Mittel nehmen, an einer Venenthrombose. Bei Yasmin und Co. Sind es 40- doppelt so viel.  Nur 5 bis 10 Thrombosen/100.000 Patientinnen/Jahr gibt es übrigens bei gar keiner oder zumindest nicht hormoneller Verhütung.  Prozesse gegen Bayer lassen natürlich nicht auf sich warten

Bild

Bayers Geheimwaffen und ein Maulkorb für Kritiker

Über 6800 Klage vor Gericht (02/2011), eine nach oben korrigierte Risikoeinschätzung der europäischen Arzneimittelbehörde EMA: das Unternehmen steht unter Druck. Die amerikanischen Medikamentenprüfer von der FDA (Food and Drug Administration) beschäftigen sich mit dem Thema in einer Anhörung vom 8.12.2011.

Mit im Ausschuss: drei Professorinnen,  die von Bayer Forschungsgelder erhielten oder an Firmenstudien mitarbeiteten. Übrigens: Bayer-Studien spielen das Risiko durch Nebenwirkungen herunter. Eine von ihnen, die aus internen Unternehmensdokumenten als nützliche Yasmin-Fürsprecherin hervorgeht, erklärte, sie habe weniger als  10.000$ von Bayer erhalten.

Während drei Lobbyisten des Herstellers ohne Probleme einem Behördenausschuss angehören dürfen, muss der Verbraucherschützer Sidney Wolfe (Direktor, Public Citizen Health Research Group) spüren, was der Ausschuss als Interessenkonflikt definiert: Seine Person. Ihm wurde wegen Befangenheit das Stimmrechtentzogen, denn er hatte vor der Einnahme von Drospirenon- Tabletten abgeraten. Wenn er hätte abstimmen dürfen, die drei Industrie-Mietmäuler aber nicht, so wäre die Abstimmung nicht 15:11 für das Produkt ausgegangen, sonder 12:12. Aber so ist das nun mal in der FDA. Wenigstens sprach sich die breite Mehrheit für erweiterte Warnhinweise auf den Verpackungen aus. Auch auf der Beyal-Website gibt es eine Warnung- „in Kooperation mit der FDA“, wie es heißt. Wie weit diese Kooperation des Beyal-Produzenten Bayer geht, ist vielen nicht bewusst.

Ironie des Schicksals: in diesen Tagen bringt Bayer ein Mittel gegen Venenthrombosen und Lungenembolie raus

Quellen:

–          beyaz.com

–          Pharma Brief 02/2012, BUKO Pharma Kampagne

–          FDA Drug Safety Communication: Updated information about the risk of blood clots in women taking birth control pills containing drospirenone (stand 4.10.12)

–          http://www.yazontrial.com/

–          http://www.risiko-pille.de/ (Deutsche Selbsthilfegruppe)

Bild (Tabletten-Hintergrund): Kandy Talbot

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