Ein dreckiges Geschäft

Gold. Silber. Platin. Kupfer. Kohle. Wertvolle, wichtige Rohstoffe sind das, doch die Bedingungen, unter denen sie gefördert werden, sind katastrophal.

Da wäre zum Beispiel Glencore aus der Schweiz mit einem Jahresumsatz von fast 145 Milliarden Dollar und engen Verflechtungen mit den Kollegen von Xstrata (ebenfalls Schweiz). Glencore stehe „am Pranger“ berichtete der tagesanzeiger im April. In Tilwezembe/Kongo arbeiteten 700 Kinder unter 17 Jahren. Die Hygienesituation sei desolat, wegen mangelnder Sicherheit käme es immer wieder zu tödlichen Unfällen, Verletzte bekämen keinerlei Entschädigung. Die Mine wurde von Kleinschürfern besetzt, doch über ein Tochterunternehmen (KCC) komme Glencore weiterhin an die Produkte. KCC leitet Schwefelsäure ungefiltert in den Fluss, was zum Aussterben der Fische führte. 196 Millionen Dollar soll Glencore den Staat Kongo vorenthalten haben, wird berichtet. 13-Jährige schleppen zentnerschwere Säcke kilometerweit durch den Dschungel. 7 Tage die Woche für 2 US-Dollar am Tag, und selbst davon müssen sie etwas abgeben. Später arbeiten diese jungen Menschen in den rund 70 Comptoirs der Stadt Goma/Kongo, wo sie die Erze mit dem Hammer zerschlagen. Unfälle sind natürlich überall an der Tagesordnung. Kasserit, Kupfer, Gold und Coltan werden hier abgebaut. Als Tantal landet Coltan dann mit Kasserit und Uran in Bildschirmen und Handys.

„In den Minen in Walikale, da wohnt der Teufel. Und alle, die dort arbeiten, gehören ihm.“

Korruption ist Alltag, Milizen kämpfen mit Waffengewalt um die Kontrolle der Minen, die Blutmineralien werden unkontrolliert abgebaut. Überladene Flugzeuge stürzen ab. Und überall dem thront der Schweizer Gigant Glencore.

Der schwarze „GLENCORE“ Schriftzug prangt auch über der Region Cesar in Kolumbien, wo Glencore drei Minen hat, die jährlich 10 Millionen Tonnen Kohle abbauen. Mit Beteiligungen an Erdölraffinerien und Co. ist Glencore ein bedeutender Teil des kolumbianischen Rohstoffabbaus. Glencore gräbt den Gemeinden im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser ab, und leitet seine verseuchten Abwässer wiederum ungefiltert in die Bäche. Lastwagen voller Kohle fahren 180 km bis zum Hafen, und die ganze Gegend ist mit Kohlestaub belastet, weil keine Sicherheitsvorkehrungen getroffen wurden. Glencores Tochterfirmen entlassen gezielt Gewerkschafter. Die leben in Kolumbien gefährlich: Milizen verbreiten Terror, aktuell sind Drohungen gegen Arbeitsrechtler eingegangen, die sich für bessere Bedingungen in den Werken des ebenfalls Schweizer Nestle-Konzerns einsetzen.  Proteste werden gewaltsam von Polizei und Militär niedergeschlagen, selbst Tote gab es.  In Peru gibt es auch Probleme: Streikenden wird die Lebensmittelzufuhr abgeschnitten, Polizeigewalt gegen Demonstranten, Massenentlassungen, um Gewerkschaften zu zerschlagen. In Bolivien kaufte das Unternehmen ein Schmelzwerk, obwohl die Anlage laut Gesetz nie hätte verkauft werden dürfen.  Gesetzte und Behörden wurden umgangen. In Sambia gehört eine Kupfermine zu 73% Glencore. Siedler/innen werden vertrieben, auch nachdem sich Glencore verpflichtet hatte, dies zu unterlassen. Abwässer werden durch undichte Pipelines durch bewohntes Gebiet geschleust, Abfälle schlecht gesichert.  Es riecht nach Säure und Schwefel.  „Ein Großteil der Menschen, die permanent in diesem Gebiet leben, leidet unter starken Hautirritationen, beeinträchtigtem Sehvermögen, Bronchitis, Verdauungsproblemen und Missbildungen. Geistig behinderte Kinder sind im Einzugsgebiet der Mine besonders häufig.“ MultiWatch. In zwei Gemeinden kann wegen Verseuchung von Boden und Wasser keine Landwirtschaft mehr betrieben werden.  „Verbunden mit dem Kauf der Minen und des Schmelzwerkes hätte Glencore umfangreiche Umweltauflagen erfüllen sollen, z.B. eine 20%-Reduktion der Emissionen. Laut Umweltexperten und lokalen NGOs haben diese aber um 80% zugenommen, seit Glencore Mopani betreibt.“ S.o. . Das ARD-Magazin Monitor berichtet von Schwefeldioxid Werten, die die sambischen Grenzwerte um das 72-Fache übersteigen. Auch Korruption soll zum Repertoire des Rohstoffriesens gehören. Steuern soll Glencore hinterzogen haben mit Derivatgeschäften im Ausland. „Würden in Sambia dieselben Kupferpreise wie in der Schweiz bezahlt, so handelte es sich bei den umgangenen Steuern um das Doppelte von Sambias Bruttoinlandprodukt (rund 29 Milliarden US-Dollar). Gleichzeitig erhält Mopani einen Kredit von 48 Millionen Euros von der Europäischen Investmentbank.“ MultiWatch . 2008 erhielt Glencore den Negativpreis „Public Eye Award“

Gold ist das Hauptprodukt des US-Konzerns Newmont, daneben auch Kupfer, Silber und Zink. 9,5 Milliarden Dollar Umsatz machte Newmont 2010 (Vgl. Glencore 145 Mrd.). Doch trotzdem ist Newmont nicht weniger skrupellos. Usbekistans Regierung gab Newmont Steuervergünstigungen in einem gemeinsamen Projekt. Als das gemeinsame Unternehmen pleiteging, wollte die usbekische Regierung diese Vergünstigungen zurück. Newmont Mining lehnte dies ab.

In Ostghana will Newmont eine Goldmine in Waldschutzgebiet errichten. Die Folgen sind katastrophal: Menschen werden vertrieben, nicht entschädigt, Entscheidungsträger bestochen, Trinkwasser verseucht, Waldgebiete zerstört. Durch den Einsatz von Zyanid entsteht saurer Regen und Giftmüll. Tiere sterben, die Lebensgrundlage der dortigen Bevölkerung wird zerstört.  15 Millionen Tonnen Abfall wird die Mine produzieren.  Bei Demonstrationen 2005 kam es zu Toten und Verletzten, weil es Auseinandersetzungen mit Polizei/Militär gab. Auch würde das Malariarisiko steigen. Eine andere Mine in Ghana soll ausgebaut werden. Auch hier ist der Lebensraum von 10.000 Menschen in Gefahr. Dafür erhielt die Firma 2009 ebenfalls den „Public Eye Award“.

Die Gewinnung eines goldenen Eherings verursacht 20 Tonnen Giftmüll.

Glencore, Newmont: der Public Eye Award scheint die Tendenz zu haben, Bergbaufirmen zu beschämen. So auch im nächsten Fall. AngloGold-Ashanti ist der wohlklingende Name des südafrikanischen Goldförderers mit dem Löwen im Wappen.  Der Ashanti-Löwe greift dabei auf unsaubere Praktiken zurück. Auch AngloGold-Ashanti unterhält zwei Minen in Ghana. Bei deren Übernahme versprach die Firma Verbesserungen (die Minen waren davor schon aufgefallen). Doch Minenabfälle von AngloGold-Ashanti verseuchen 50  Flüsse, und damit die Wasserversorgung vieler Gemeinden. Auf dem Minengelände beschäftigt der Konzern (3,6 Mrd. Dollar Umsatz 2008) Wachposten. Diese sind für tödliche Schüsse, Folter, und Tote durch Kampfhundattacken verantwortlich. Deswegen durfte sich der Löwe auf dem Firmenlogo auch 2011 über den „Public Eye Award“ ärgern.

Das Schweizer Fernsehen berichtete ebenfalls über die Zustände in Ghanas Goldminen. 500.000 Mineure arbeiten in den Goldminen. Sie hantieren ohne Schutz mit Dynamit und Quecksilber. Das Schwermetall führt zu neurologischen Schäden und Vergiftungen. Auch Kinder arbeiten dort. Ein 14-Jähriger arbeitet 12 Stunden am Tag. Die Seen werden verschmutzt, und damit das Trinkwasser.

Freeport-McMoRan: ca. 5,8 Milliarden Dollar Umsatz machte das Unternehmen 2006.  Es hat traditionell eine gute Beziehung zur indonesischen Regierung.  Doch in einer indonesischen Mine werden Abwässer in Flüsse geleitet, mit einer kaum noch angewendeten, da umstrittenen Methode. Dier Artenvielfalt war unglaublich dort, doch nun ist dieses Ökosystem völlig zerstört. Außerdem zahlte Freeport 2001-2002 10,3 Millionen Dollar an die indonesischen Polizei und Militärkräfte. Allein mehr als 247000 US-Dollar an einen General, der für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich ist, darunter allein 1.200 Morde!

Rio Tinto  machte 2009 fast 42 Milliarden Umsatz. Das Unternehmen besteht seit 1873. Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, Umweltschäden, Verstöße gegen Arbeiterrechte. Rio Tinto besitzt nämlich ein Teil der Freeport Mine in Grasberg. Deswegen veräußerte Norwegen Investitionen im Wert von 500 Millionen Pfund wegen ethischer Bedenken an Rio Tintos Unternehmenspolitik.

14 Milliarden $ Umsatz machte Barrick 2011. Doch auch die 245 Millionen Dollar, die der norwegische Pensionsfonds investiert hatte, wurden verkauft. Denn wieder hatte Norwegen ethische Bedenken. Zu recht: Schwermetalle belasten die Umwelt, kritische Stimmen werden unterdrückt.

6 Unternehmen in der Bergbaubranche: Sie handeln mit wichtigen Rohstoffen. Und sie alle arbeiten mit unethischen Methoden: Umweltzerstörung, Vertreibung, Kinderarbeit, gefährliche Arbeitsbedingungen, Unterdrückung von Kritik. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Auch viele andere Unternehmen der Branche arbeiten so. Es ist ein dreckiges Geschäft.

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