Nestlé: Weltkonzern mit Schattenseiten

Nestlé: Weltkonzern mit Schattenseiten Teil I: Milch für Afrika

After Eight, Smarties, Thomy, Maggi, Purina (Tierfutter), Alete, Mövenpick, Kitkat, Schöller, Wagner, Nescafe, Nestea (Joint Venture mit Coca Cola) Nespresso und Nesquik: dies ist nur eine kleine Auswahl des Schweizer Lebensmittelriesen Nestlé- der Nummer 1 bei Lebensmitteln. Seit 1866 gibt es das Unternehmen mit Sitz in der 18000-Einwohnner-Stadt Vevey am schönen Genfersee. Gegründet von Henri Nestlé, einem in Frankfurt geborenem Apotheker. Doch aus dem Nestlé (kleines Nest) wurde ein knallharter Kapitalist, der sich mit schmutzigen Methode
n und Übernahmen zur Nr. 1 mauserte.

Das erste große Produkt Henri Nestlés, das Milchpulver, führte in den 1970ern/1980ern zu großen Kontroversen. Nestlé erkannte, dass der Markt in den Industrienationen weitgehend gesättigt war. Der Konzern expandierte in die Dritte Welt. Nestlés Marketing versuchte nun, den Armen der Welt überflüssiges Milchpulver anzudrehen. Mit aggressiven Methoden. 1973 machte der Anteil von Nestlés Lactogen 11,2% der gesamten Werbung im Suaheli-sprachigen Radio aus. Lactogen machte allein fast 87% der Babymilchwerbung insgesamt im Suaheli-Radio aus. (Zahlen: „Exportinteressen gegen Muttermilch“; Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern, 1976, rororo). Nestlé und Co. bezahlten Frauen; damit sie Krankenschwesternuniformen tragen und Babymilch verkauften. Das läuft dann so ab: Mutter geht ins Krankenhaus; die wie Ärzte oder Krankenschwestern aussehenden Verkäufer preisen Babynahrung an; die Mutter glaubt ihnen, will sie doch das Beste für ihr Kind. Praktischerweise stehen dann noch Gratismuster zur Verfügung. Die Wände sind gepflastert mit Nestlé-Werbungen, Verkaufsstellen sind direkt in den Kliniken. Allein diese aggressiven Vermarktungspraktiken sind ja schon schlimm genug, wäre da nicht noch die tödliche Seite. Babymilch in der dritten Welt ist problematisch, denn was in den Industrienationen an Hygiene vorhanden ist, geht nicht in Entwicklungsländern. Studien belegen (von Säuglingen abgesehen) eine schädigende Wirkung gegenüber der Flasche.Bild

Weil das Milchpulver unter unhygienischen Bedingungen angerührt oder gestreckt wird (denn es ist ja so teuer) erkranken Kinder oder sterben sogar. Dass es Hygieneprobleme geben würde, lag ja wohl auf der Hand, als die Schweizer ihr Geschäft ausweiteten. Deswegen hat die Arbeitsgruppe Dritte Welt Bern auch in den 70ern eine Untersuchung mit dem Titel „Nestlé tötet Babies“ rausgebracht. Desweiteren wird ja Muttermilch verschwendet. Nestlé reagierte mit zwei Klagen. Tote Kinder, Maulkörbe für Kritiker- das ist das Fazit des „Babykiller-Skandals“.

„Gib deinem Kind Liebe und Lactogen“

Nestlé-Slogan 1974 in Sierra Leone

Bild Armbänder mit Firmenlogo in China: aggressives Marketing immer noch an der Tagesordnung

Und heute? Die Gruppe „Baby Milk Action“ entdeckt noch immer Verletzungen von WHO- und anderen Kodizes. Der WHO-Kodex wurde von Nestlé zwar übernommen, aber im Vergleich fallen Nestlés deutliche Fehlinterpretationen gegenüber dem Original auf , die die strengen WHO-Regeln entschärfen.

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Eine Antwort zu “Nestlé: Weltkonzern mit Schattenseiten

  1. Pingback: kristallklar | senfkornblog·

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