Die Guantanamo Story

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Teil 2:Kuba

Guantanamo

Es war ein provisorisches Camp. Camp X-Ray. Zellen an der freien Luft, Maschendrähte. Isomatten, ein Eimer als Toilette, ein anderer mit Wasser. Schonungslos ausgeliefert den extremen Wetterbedingungen in der Guantanamo-Bucht in Kuba. Brütende Hitze, prallende Sonne oder prasselnder Regen. Das war der Anfang vor mehr als zehn Jahren. Guantanamo Bay, eine Bucht als US-Militärstützpunkt. Mit McDonald´s und Starbucks. Eine amerikanische Enklave im kommunistischen Kuba. Und ein scheinbar idealer Platz für die Afghanistan-Gefangenen. Laut US-Regierung galt hier die Verfassung mit ihren Grundrechten nicht, ebenso wie US-Anti-Folter-Gesetze oder internationale Regelungen wie die Genfer Konvention. In dieser Umgebung wollten Militär und Geheimdienst CIA die Häftlinge befragen. Mit brutalen Methoden. Schon wenige Monate nach der Öffnung berichten Gefangene von Schlägen.

Schon der Flug war die Hölle: 27 Stunden von Afghanistan nach Kuba. Gefesselt an Händen und Füßen, eine Kapuze über dem Kopf, kein/sehr wenig Essen, keine Toiletten, Schläge und Beschimpfungen

Mohammed C. aus dem Tschad wurde mit 14 Jahren in Pakistan festgenommen und im Januar 2002 nach Guantanamo geflogen. Dort wurde er stundenlang an seinen Handgelenken aufgehängt, mit Lichtblitzen, Schlafentzug und extremer Kälte misshandelt. Er wurde rassistisch beschimpft und ihm wurden Brandwunden durch Zigaretten zugefügt. Er kam später in ein Camp, wo er 24 Stunden in Einzelhaft saß.

Tarek Dergoul wurde 2004 freigelassen. Der Brite berichtete von alltäglichen Schikanen: Leibesvisitationen, Zelldurchsuchungen, und das ohne Grund. Als die Wachen dies wiederholen wollten, habe er sich geweigert. Die Folge: Das ERF (Extreme Reaction Force, manchmal auch IRF genannt), eine interne Sondereinheit, die jeden Widerstand brechen sollte. Zu fünft bekämpften sie in voller Montur einzelne, wehrlose Häftlinge, teilweise ohne Grund. Dergoul berichtet, man habe ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht, ihn auf den Boden geworfen, wie ein Tier gefesselt, geschlagen, getreten, ihm Finger in die Augen gepresst. Dann habe man seinen Kopf in die Toilette gesteckt und gespült. Desweiteren wurden ihm Bart, Kopfhaare und Augenbrauen rasiert.

Tagelang ließen sie mich nicht schlafen, sie zwangen mich, stundenlang in schmerzhaften Positionen zu verharren.

Ex-Häftling

Dergoul und andere britische Ex-Häftlinge berichteten in einem Report, sie seien in unnatürlichen Haltungen gefesselt und nackt in ihre Zellen eingeschlossen worden. Man habe sie unter Drogen gesetzt, geschlagen, und sie hätten sich Videos ansehen müssen von anderen Häftlingen, die zum Analverkehr gezwungen worden seien.

„Ich wurde allen Arten körperlicher und psychischer Misshandlung ausgesetzt. Weil die Inhaftierten Muslime sind, benutzte die Verwaltung der Haftanstalt verschiedene Methoden der Demütigung durch Beleidigung des Islam. Ich sah Soldaten den Koran auseinanderreißen und sah, wie sie die Seiten in die Toilette warfen. Während der Befragung saßen sie für längere Zeit auf dem heiligen Buch; beschimpften uns und verwendeten rassistische Sprache“

Journalist und Ex-Häftling Sami al Haji

Und weiter:

„Sie sperrten uns in Tiefkühlzellen und fütterten uns mit einer kalten Mahlzeit am Tag. Sie hielten uns vom Schlafen ab. Wenn wir unsere Augen schlossen, schlugen sie uns auf unsere Köpfe wie Vieh, oder schütetten kaltes Wasser auf uns. Sie zwangen uns Bilder und Videos von gefolterten, blutenden und sterbenden Menschen, zu sehen. sie zwangen uns, Porno-Bilder anzusehen, Frauenkleider anzuziehen uns auszuziehen und wie Esel nackt zu gehen. Wir mussten salutieren, wenn die amerikanische Hymne gespielt wurde. Sie demütigten die Gefangenen, indem sie sie ihren Körper mit den amerikanischen und israelischen Fahnen bedeckten.. “ Sami al-Hajj tätigte diese Aussagen.“

 

 

Mal als Gegenstück: „Ein Basketballplatz steht in Camp 4 (…) Das Camp hat außerdem einen Volleyballplatz und große Pausenflächen für die Häftlinge“gtmotruth

Bilder: oben amnesty-Montage: So könnten Stresspositionen, die über Stunden gehalten werden mussten ausgesehen haben. Unten: US-Regierungsfotos- geschönte Wahrheit

Nächste Story: 2005 gelangte ein Dokument an die Öffentlichkeit, das laut einem PENTAGON-Offiziellem (US-Verteidigungsministerium) „Gitmo (Guantanamo, Anm. des Autors) niemals hätte verlassen sollen. Denn es ist ein „Interrogation Log“, ein Verhörtagebuch sozusagen. Es zeigt, was im Verhör von Mohammad al-Qathani geschah, dem sog. „20. Attentäter“ von 9/11. Die Behörden gingen davon aus, dass er auch in eines der vier Horrorflüge steigen wollte, doch er wurde vorher abgefangen.

Auch Jimmy Carter, der ehemalige US-Präsident, rief zur Schließung des Lagers auf.

Die ersten Qathani-Vernehmungen lieferten kaum Informationen. Und dann wurden die Verhöre härter.  Einmal bekommt er 3 ½ Behälter Flüssigkeit eingetrichtert. Er beantwortet die Fragen nicht im Sinne des Offiziers. Dann bittet al-Qathani nach der extremen Flüssigkeitsaufnahme, auf Toilette gehen zu dürfen. Es wird ihm verweigert, er muss sich einnässen.  Apropos Wasser: die Ermittler haben ein Spielchen, das sie bei Qathani anwenden: „Trink Wasser oder trage es“. Heißt: wenn Qathani Wasser verweigert, wird es ihm flaschenweise über den Kopf geschüttet. Es geht weiter: die Beamten starten die Befragungen nun um Mitternacht, wecken ihn mit Christina-Aguilera Musik oder mit Wasser, das sie über ihn schütten. Er wird 12 Stunden lang verhört. Eine weitere, seltsam anmutende, aber im Krieg gegen den Terror beliebte Methode wird benutzt: „Invasion of Space by a female“ wird sie offiziell genannt. Eine Frau aus dem Befragungsteam tritt dem Gefangenen sehr nahe, eine tiefe Beleidigung des muslimischen Glaubens. Es wird überliefert, dass weibliche Ermittler knapp bekleidet Häftlinge zum Ausrasten brachten. Weiter bei Qathani: ein Militärhund wird eingesetzt.  Musik hält ihn vom Schlafen ab. Er muss bei der amerikanischen Hymne salutieren und sich Bilder von 9/11 Opfern ansehen, bei rotem Licht. Um ihn zu verhöhnen, machen die Wächter sogar eine Puppenshow. Ein Foto von einem 9/11 Opfer wird ihm an die Hose geklebt. Kopf- und Barthaar werden ihm rasiert. Er muss wie ein Hund bellen

Er muss behandelt werden, da sein Herzschlag laut Report „ungewöhnlich langsam“ sei.  Doch mit einer Unterbrechung geht es weiter: Leibesvisitationen, er muss nackt vor seinen Vernehmern stehen (ebenfalls besonders für Muslime verletzend).  Die oben genannte Methode mit dem weiblichen Personal bringt ihn zu Selbstmordgedanken. Andere Dokumente berichten noch von 3 Monaten Einzelisolation. Er habe schwere Folgen davongetragen: Halluzinationen, Sprechen mit nicht anwesenden Personen, usw.

Auch Mitarbeiter der US-Bundespolizei FBI, die auf Guantanamo waren, bestätigten Folter: „ Einige Male kam ich in einen Raum, wo ein Häftling in einer fetalen Position, Hände und Füße zusammen, am Boden gefesselt war, ohne Stuhl, Essen oder Wasser. Oft mussten sie sich in die Hose machen, und wurden dort gelassen für 18, 24 oder mehr Stunden. Einmal war die Klimaanlage so heruntergefahren worden (…) dass der barfüßige Gefangene sich vor Kälte schüttelte. Ein anderes Mal war die Klimaanlage abgeschaltet, was die Temperatur im unventilierten Raum wohl über 100 Grad brachte* Der Gefangen war fast reglos am Boden, Haarbüschel neben ihm. Er hatte offenbar über Nacht seine Haare rausgerissen.  Ein andermal, war die Temperatur nicht nur nicht auszuhalten, so heiß war es, sondern es wurde auch extrem laute Rapmusik im Raum gespielt seit dem Tag davor, (…) mit einem Häftlinge Hände und Füße in der fetalen Position an den Boden gekettet.“ Ein anderer Agent  berichtet, einem Häftling sei der Mund mit Klebeband zugeklebt worden, weil er Koranverse aufgesagt haben soll.  In einem weiteren Bericht heißt es, bei einem Verhör habe sich ein Captain auf den Koran gehockt um den Gefangenen zu ärgern. Desweiteren sei ein deutscher Schäferhund beim Verhör zum Bellen gebracht worden. Auch seien Situationen beobachtet worden, die auf den Einsatz von Stresspositionen hindeuten. Ein anderer Bundespolizist berichtet, ein Internierter sei gezwungen worden, Frauenkleider und Make-Up zu tragen.

Ein Schwede berichtert über seine Haft:

„Sie haben mich in ein Vernehmungszimmer gesetzt und haben diesen als Kühlschrank benutzt. Sie haben die Temperatur auf Minusgrade geschaltet, so dass es schrecklich kalt wurde, und man dort mehrere Stunden lang frieren musste – zwölf bis 14 Stunden musste man dort ausharren -, angekettet“,

Sie haben mich auf den Boden gezwungen mit gefesselten Füßen. Dann haben sie mir die Handfesseln abgenommen, haben mir die Arme unter den Beinen durchgezogen und die Hände erneut gefesselt. Ich konnte mich nicht mehr rühren.“ Nach einigen Stunden in dieser Zwangshaltung seien die Füße angeschwollen, die Schmerzen hätten seinen ganzen Körper durchzogen. „Am schlimmsten waren sie im Rücken und an den Beinen.“ In der Dunkelhaft hätten die Aufseher ihn mit grellen Lichtblitzen erschreckt, durch ständigen Zellenwechsel und Dauerbeschallung sei er systematisch am Schlafen gehindert worden.“

Ex-Gefangene berichteten vom Einsatz nebenwirkungsreicher Medikamente als Foltermittel. Empörung in der gesamten arabischen Welt gab es nach Vorwürfen der Koranschändung.

Auch sei Schlafentzug systematisch gewesen.  Es wird von einem „frequent flyer“-Programm berichtet. Frequent Flyer bedeutet sinngemäß so etwas wie „regelmäßiger Flieger“. Regelmäßige Flieger waren gefangenen, die im Rahmen dieses Programms sehr oft unbegründet die Zelle wechseln mussten- mit all ihren Sachen, mitten in der Nacht. So wurden sie am Schlafen gehindert.

Mohammed Slahi wurde ebenfalls gefoltert:

Ein anderes Mal zeigen sie ihm einen Brief, in dem steht, seine Mutter solle möglicherweise nach Guantanamo überstellt werden, weil der Sohn mangelnde Kooperationsbereitschaft zeige.

Knapp zwei Wochen nach Rumsfelds Freibrief fahren Soldaten den Gefangenen mit verbundenen Augen in einem Boot aufs Meer hinaus, er soll glauben, gleich hingerichtet zu werden.

 

 

Im Jahr 2006 starben drei Häftlinge aus unerklärlichen Gründen. Seitdem geistert das Gerücht um, es habe ein weiteres, geheimes Verhörcamp gegeben, in dem noch brutaler gefoltert wurde. Daher die Toten. In einem Magazin berichteten Ex-Wärter von einem außerhalb gelegenem Camp, das aussah wie die Verhörbauten und aus dem Schrei drangen.

 

Spiegel-Bericht:

Viele Gefangene wurden danach bis auf die Unterwäsche ausgezogen, ihre Hände und Füße an einen Stuhl gefesselt. Bis zu 14 Stunden lang mussten die Männer in grellem Licht bei dröhnender Rock- und Rap-Musik ausharren. Um ihre Widerstandskraft zu brechen, wurden die Klimaanlagen voll aufgedreht, die Gefangenen mussten eisige Kälte aushalten, denn die Wachmänner drehten die Klimaanlagen bei solchen „Verhören“ voll auf.

Prügel, sexuelle Demütigung, endlose Haft. Das ist Guantanamo  Völlig außer Acht gelassen bei dieser Schilderung der Folter ist natürlich das Fehlen von Gerichtsverfahren seit Jahren. Auch dies sollte man nicht vergessen.

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