Die Guantanamo Story 3

IraqisArrestedByUSSoldiersUnknown

Nackte Gefangene, beißende Hunde: die Fotos aus Abu Ghraib schockierten die Welt. Die Misshandlungen im Irak waren weit verbreitet und brutaler als in Guantánamo .

Iraker, von US-Soldaten festgenommen, Foto von Gefangenem in Stressposition, mit Drähten um Penis, Zehen und Hände, um Elektroschocks zu simulieren (Abu Ghraib)

Irak

Im Frühjahr 2003 beginnt der Irakfeldzug der neokonservativen Falken der Bush-Administration.  Ein Krieg für die Freiheit der Iraker soll es sein. Doch hinter fadenscheinigen Begründungen und falschen Behauptungen der US-Regierung, Saddam Hussein, der damalige Machthaber im Irak, sei im Besitz von Atomwaffen und im Kontakt zu Osama bin Laden (beides Lügen/Falschaussagen, wie man heute weiß), traten relativ handfeste Gründe hervor: US-Konzerne wie Halliburton (die Firma hat übrigens auch Guantanamo gebaut) profitierten enorm von dem Krieg, und viele der Topmänner unter Bush haben mit ihren Aktienpaketen ordentlich am Krieg gegen Saddam verdient.
Im Herbst 2003 plagten sich die Amerikaner jedoch mit den Problemen einer Besatzungsmacht herum: Selbstmordattentate gegen Checkpoints und andere US-Einrichtungen waren alltäglich, und das Militär brauchte dringend „actionable intelligence“- nachrichtendienstliche Erkenntnisse, die direkt im Kampf gegen die Aufständischen halfen. In dieser Zeit brachen die GIs jede Nacht Türen auf in den Dörfern und Städten, und mit gefesselten Irakern mit Kapuze über dem Kopf wieder herauskamen. Es war die Zeit, als die Soldaten immer wieder, nah und fern, Detonationen hörten und 24 Stunden in Alarmbereitschaft waren.

Einige Monate später: am 28. April 2004 bereiten sich die Journalisten des US-Senders CBS auf einen Knüller vor:  Sie werden an jenem Abend Fotos aus dem Irak zeigen, Fotos jenseits der Front, hinter dicken Gefängnismauern aufgenommen. Grinsende US-Militärpolizisten neben nackten, gedemütigten Gefangenen. Fotos neben Leichen.  Grinsende junge Männer und Frauen. Neben Toten. Was hat der Krieg mit ihnen gemacht?

Die Fotos wurden im Abu-Ghraib (auch Abu Ghuraib oder Abu Ghreib) Gefängnis aufgenommen. Der Knast war schon unter Saddam Hussein bekannt für Folter und Massenhinrichtungen. 2003 übernahmen amerikanische Einheiten die Anlage, um dort ihre Gegangenen zu internieren.

Der Weg nach Abu Ghraib

Die Informationen aus den Verhören in Abu Ghraib aber flossen spärlich, und so schickte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld seinen Vernehmungsexperten in den Irak: Generalmajor Geoffrey Miller. Er leitete das Gefangenenlager Guantanamo ab November 2002, weil die Regierung von seinem Vorgänger ebenfalls wenig verwertbare Erkenntnisse aus dem Lager erhalten hatte, und führte dort das System Zuckerbrot und Peitsche ein. Wer mit dem Militärgeheimdienst kooperierte, bekam Extras wie zum Beispiel ein Essen von McDonalds. Und wer bei Befragungen stumm blieb, wurde bestraft: Schlafentzug, Schläge und Kälteschocks. Als Miller die Verantwortung für die US-Haftzentren im Irak übertragen wurde, beschloss er , sie zu „Gitmoisieren“- sie dem System Guantánamo -im Soldatenslang Gitmo- nachzuempfinden.

Janis Karpinski, der Direktorin des völlig überfüllten Gefängnisses Abu Ghraib, zufolge sagte er:

„ Sie [die Gefangenen] sind wie Hunde und wenn sie ihnen zu irgendeiner Gelegenheit erlauben, zu glauben sie seien besser als ein Hund, dann haben sie die Kontrolle über sie verloren“
Miller forderte die Vernehmungsoffiziere zudem auf, wie in Guantánamo Militärhunde bei Verhören zur Einschüchterung der Häftlinge einzusetzen.

Ein Toter im Gefängnis

Die Methoden aus Guantánamo galten nun im Irak- obwohl den Iraker offiziell die Kriegsgefangenenrechte zustanden.

Am 4. November 2003 gegen 2 Uhr morgens brachen SEALs die Tür von Manadel al Jamadis Wohnung auf. Der Mann wurde ohne Haftbefehl festgenommen und unter Einsatz von Gewalt in ein Militärfahrzeug geschleppt.  Auf dem Weg zu einem Lager am Flughafen Bagdad sei al Jamadi heftig geschlagen worden. In dem Lager wurde er nackt ausgezogen und mit Wasser übergossen. Ein Lieutenant soll die Misshandlungen zugelassen haben. Ein CIA-Agent stemmte sich mit seinem ganzen Körper gegen al Jamadis Brust, andere CIA-Leute drohten ihm, wenn er nicht bald rede, werde man ihn „grillen“ und er werde sich den Tod herbeisehnen.  Nur mit Jacke und T-Shirt bekleidet sowie mit Sandsack über dem Kopf kam er in Abu Ghreib an. Da konnte er noch gehen und sprechen. Nachdem man ihm seine restliche Kleidung abgenommen hatte, wurde er zum Verhör in den Duschraum gebracht.  Seine Handschellen wurden so an der Wand aufgehängt, dass er knapp stehen konnte. Aber wenn seine Knie nachgaben, hing er mit seinem ganzen Körpergewicht an Arm- und Handgelenken. Zu der Zeit klagte al-Jamadi über Atemnot.  Ein CIA Agent, der schon am Flughafen anwesend war, holte Militärpolizisten (MPs). Denn der Häftling sackte immer wieder zusammen. Doch der Geheimdienstler behauptete, al Jamadi würde sich nur tot stellen. Tatsächlich war er tot. Unter dem Plastiksack auf seinem Kopf war ein lebloses, von Schlägen gezeichnetes Gesicht. Als er abgenommen wurde, blutete er wie „ein aufgedrehter Wasserhahn“. Die Behandlung hatte ihm die Rippen gebrochen, die Fesselung hatte ihn erstickt „wie bei einer Kreuzigung“. Die CIA-Leute hatten Zeugen zufolge schnell die blutige Kapuze verschwinden lassen- ein belastendes Beweisstück.  Das ist die nur ein blutverschmierter Fall aus Abu Ghuraib.

AbuGhraibScandalGraner55

charles Graner mit Jamadis Leiche

Das System Miller

Die Militärpolizisten hatten seit Millers Besuch den Methode aus Guantanamo übernommen: die Wärter schaffen die „Rahmenbedingungen“ für „erfolgreiche“ Verhöre. Bedeutet: die Bewacher sollen die Gefangenen für die Befragungen weichklopfen.

In der Nacht des 7. November 2003 wird noch einmal deutlich, wie das in Abu Ghraib läuft: Charles Graner (von der Nachtschicht) und andere ziehen den Irakern Sandsäcke über den Kopf, ziehen sie aus. Graner schlägt zu, wenn man sich weigert.  Sanitäter müssen einen Gefangenen versorgen, so brutal ist der Militärpolizist. Im Laufe der Nacht zwingen sie die Iraker zu masturbieren, sie müssen Oral- und Analverkehr simulieren.  Sie sollen auf allen vieren kriechen und – wohl der perverse Höhepunkt- aufeinander liegen wie eine menschliche Pyramide, alle nackt, alle verängstigt. Fotos werden geschossen, das letzte um 0.24 Uhr- das Ende der Schreckensnacht. Der Militärgeheimdienst (MI, Military Intelligence) lobte Graner für seine Arbeit (in etwa so: „Prima, sie brechen wirklich schnell zusammen“ „Gute Arbeit“.

Laut Generälen der Koalitionskräfte sind 70-90 Prozent der festgenommenen Iraker ohne Grund interniert worden. Und 85-90% der Gefangenen sollen laut US-Offiziellem ohne nachrichtendienstlichen Wert sein.

Sabrina Harman, ein MP aus Abu Ghraib sagte aus, dass es  ihr „Job gewesen“ sei, die Gefangenen „wachzuhalten“. 

Der Washington Post liegen übersetzt, unter Eid abgelegte Aussagen von Häftlingen aus Abu Ghriab vor.

  1. Festgenommen am 7.Oktober 2003

Während der ersten Nacht habe man ihm dauernd mit Folter und Strafe gedroht. Am zweiten Tag sei er in die „hard site“ gekommen, in den Foltertrakt. Vorher habe man ihm noch ein Sandsack auf den Kopf gesteckt.  Er wurde ausgezogen. „Einer von ihnen sagte: „Du kommst hier nicht gesund raus““. Ein anderer sagte, wenn die Frau des Mannes da wäre, wäre sie enttäuscht (weil der Gefangenen nackt war). Dann korrigierte der Soldat, sie (die Frau des Gefangenen) wäre nicht enttäuscht, weil der Soldat sie vergewaltigen würde. Der Gefangene wird in den Duschraum geschickt und von einem MP mit Vergewaltigung bedroht. Dann zieht man ihm wieder einen Sandsack über und steckt ihn in eine Zelle.   Doch schlafen kann er nicht, denn die GIs fordern ihn immer wieder auf, aufzustehen, und schlagen laut gegen die Tür. Später wurde er angeschossen, und nachdem er aus dem Krankenhaus durfte, ging die Folter weiter. Man habe ihn mit einer Pistole bedroht, und bei der Ankunft in der „hard site“ sei er mit Schreien und Herumschubsen begrüßt worden. Trotz seines gebrochenen Beines musste er lange laufen und ihm wurden die Krücken weggenommen, man drohte, sein Bein zu schlagen. Er wurde nackt in eine Zelle gesperrt und immer wieder mit Folter, Mord und Transfer nach Guantánamo bedroht.

„ Wir werden dich dazu bringen, dir den Tod zu wünschen, aber er wird nicht kommen“

Graner und seine Kollegen kamen, sie zwangen den Muslim, Schweinefleisch zu essen. Sie wollten, dass er seine Religion beleidigte. Als er es nicht tat, schlugen sie sein gebrochenes Bein und er fügte sich.  Eine Flüssigkeit wird über ihn gekippt, sie sei sehr heiß gewesen.  Er wird an das Bettgestell gekettet, und zur Zeit des Interviews fehlte ihm immer noch das Gefühl in drei Fingern. Er wird wieder nackt ausgezogen und mit Vergewaltigung bedroht. Er wird verhöhnt. Er sagt Graner, er habe Angst, dass seine ebenfalls gebrochene Schulter wieder breche, wenn man ihm die Hände zwischen dem Rücken fessele. Graner sagte, er interessiere ihn nicht, und fesselte die Hände des Inhaftierten für 8 Stunden an die Tür. Der Gefangenen schrie von Schmerzen. Er wird nackt fotografiert und muss kriechen, da sein Gesundheitszustand so schlecht ist.

Thaar Salman Dawod, Gefangener #150427 berichtet, er sei 67 Tage in Einzelhaft gewesen. Er habe nach der Zeit gefragt, dafür wurde er an die Tür gekettet. Nach dem Wachwechsel habe Graner die Fesselung geändert und den Häftling geschlagen, weil er sagte, seine Bestrafung habe keinen Grund. So angekettet war den Gefangene fünf Stunden und er bekam 24 Stunden kein Essen.

Asad Hamza Hanfosh, Gefangener #152529 sagt aus, er sei nackt ausgezogen worden. Er muss den Flur entlang kriechen bis er blutet. Er wird in den Duschraum gebracht, um zum zweiten Mal mit Kaltwasser übergossen zu werden. Ein Soldat schlägt ihn in die Genitalien. Er fällt hin und muss kriechen. Der Vernehmer schlägt Hanfoshs Kopf gegen die Wand und fesselt ihn ans Bett. Ihm wird alles weggenommen außer der Uniform.

Gefangener #150425 sagt, man habe ihn mit kaltem Wasser übergossen und ihm Kleidung und Matratze abgenommen.  Man habe seinen Kopf in Urin gesteckt. Die Soldaten stellten dabei die Füße auf seinen Kopf und schlugen ihn mit einem Besen, den sie auch in seinen Hintern einführten. Sie spuckten ihn an. Eine Soldatin stellte sich auf seine Beine. Graner sei der gewesen, der die Kleidung abnahm, ein Wärter namens Joyner habe sie immer zurückgegeben.

Häftling #150422 berichtet, ein Gefangener sei nackt verprügelt worden, bis er ohnmächtig wurde. Er blutete. Andere werden nackt zusammengekettet, undsollen homosexuelle Handlungen nachstellen (Homosexualität ist ein Tabu für Muslime). Wer sich weigerte, wurde geschlagen. Mit einem Handschuh habe man die Geschlechtsorgane eines Häftlings misshandelt, um ihn dann an die Zellentür zu ketten, einen halben Tag ohne Essen oder Wasser.

Ein weiterer berichtet, wie sie eine Nacht lang beschimpft und zusammengeschlagen und fotografiert wurden. Dabei seien sie nackt gewesen und man habe sie gezwungen Oralverkehr und Masturbation zu simulieren. Auch Soldatinnen seien dabei gewesen. Und Kameras.

Graner soll auch Gefangene bepinkelt haben.

Gefangener #151108

Man habe ihn gezwungen, Frauenunterwäsche zu tragen. Graner habe ihn so ans Fenster gekettet, dass er fünf Stunden in der Luft hing. Denn er hatte Graner nach der Zeit gefragt. Graner nahm ihm die Kleidung ab und steckte die Frauenunterwäsche auf den Kopf des Gefangenen. Die ganze Nacht über bekam der Häftling kein Essen, obwohl er wegen Ramadan bereits den ganzen Tag gefastet habe. Er sei bis zur Bewusstlosigkeit geschlagen worden. Ein Kind sei vergewaltigt worden.

Wer diesen schrecklichen Aussagen nicht glauben will, dem sei dieser Teil empfohlen : der offizielle Untersuchungsbericht der Armee. Antonia Taguba, der Ermittler, listet die folgenden Methoden auf:

–          Schlagen, Ohrfeigen und Treten von Häftlingen, auf ihre nackten Füße springen

–          Fotografieren und Filmen von nackten Männern und Frauen

–          Gefangene zu zwingen, ihre Kleidung abzugeben und sie mehrere Tage nackt zu halten

–          Männliche Gefangen zum Tragen von Frauenunterwäsche zu zwingen

–          Männliche Gefangene vor Kameras zur Masturbation zu zwingen

–          Nackte Männer auf einen Haufen zu positionieren und auf ihnen herumzuspringen

–          Einen nackten Gefangenen mit Drähten um Finger, Zehen und Penis auf eine Box stellen, um Elektroschocks zu simulieren

–          „Ich bin ein Vergewaltiger“ auf das Bein eines nackten Gefangenen (der der Vergewaltigung beschuldigt wird) zu schreiben & ihn zu fotografieren

–          Ein Band oder eine Hundeleine um den Hals eines nackten Gefangenen zu binden und weibliches Personal für Fotos mit ihm posieren zu  lassen

–          Ein männlicher Wärter habe mit einem weiblichen Inhaftierten Sex gehabt

–          Der Einsatz von Militärhunden (ohne Maulkorb!), um Gefangene einzuschüchtern und zu erschrecken, in mindestens einem Fall sei ein Gefangener durch Bisse schwer verletzt worden

–          Tote Gefangene zu fotografieren

Für ebenfalls sehr wahrscheinlich hielt Taguba u.a. folgende Vorwürfe

–          Leuchtstäbe zu zerbrechen und die Phosphorflüssigkeit über Gefangene zu schütten

–          Gefangene mit einer geladenen Waffe zu bedrohen

–          Kaltes Wasser auf nackte Häftlinge zu schütten

–          Mit Besenstiel und Stuhl Gefangene zu schlagen

–          Männliche Gefangene mit Vergewaltigung zu drohen

–          Einem MP zu erlauben, die Wunde eines Irakers zu nähen, der gegen eine Wand geschmettert wurde

–          Einen Gefangenen mit Besenstiel und Leuchtstab zu vergewaltigen

Etc.

Die Folterer

SPIEGEL INTERVIEW MIT EX-WÄRTER IVAN FREDERICK

„Ich war immer stolz darauf, Amerika zu beschützen“

„Gleich als ich diesen Ort das erste Mal betrat, wusste ich: Er ist ein Alptraum. Überall war Dreck, die Toiletten funktionierten nicht, es stank. Das Essen war grauenhaft, das Hühnchen nicht mal gar, sondern noch roh. Wir haben zwölf Stunden pro Tag gearbeitet, sieben Tage die Woche. Und wir hatten nur fünf Soldaten für 1000 Gefangene. Wir konnten nirgendwo Stress abladen. Die allgemeine Moral war miserabel.“

„SPIEGEL: Was für Richtlinien galten für Ihren Job während der Nachtschicht? Durch wen erhielten Sie Befehle und Anweisungen?

Frederick: Ich wusste überhaupt nicht, wer eigentlich zuständig ist“

„Ich habe mehrere Leute sagen hören: „Wir geben uns hier doch nicht lange mit denen ab. Wenn sie nicht kooperieren, machen wir sie fertig.““

„Es gab einen Aufstand in Abu Ghureib, ein Gefangener hatte mit einem Stein eine amerikanische Soldatin im Gesicht verletzt. Ihn und die anderen Beteiligten haben sie zu uns in den „harten Trakt“ gebracht, als Strafe. Wir haben sie zuerst durchsucht, sie sich nackt ausziehen lassen und zu dieser Pyramide gezwungen – und dann ist alles außer Kontrolle geraten. Eine der Methoden war es, sie zu demütigen, damit sie zusammenbrechen und reden, und ich … ich wollte doch nur (beginnt zu weinen) demütigen. Und so habe ich sie masturbieren lassen. Ich wollte kein Verbrechen begehen, ich wollte sie nur demütigen. Aber ich trage dafür die Schuld.“

Dem Autor liegt auch ein  Geheimbericht des Internationalen Roten Kreuzes (ICRC)vom Februar 2004 vor.  Mitte Oktober 2003 hatten ICRC-Mitglieder sich Abu Ghraib angeschaut. Sie prangerten unter anderem an, dass es übliche Praxis war, Gefangenen nackt in völlig leeren Zellen bei totaler Dunkelheit über mehrere Tage zu halten.  Außerdem wird wieder vom Einsatz von Frauenunterwäsche berichtet. Auch heißt es, das Anketten von Häftlingen ans Fenster verursache Verletzungen. Männer hätten nackt oder mit Frauenunterwäsche durch die Gänge laufen müssen. Außerdem hätten verbale Attacken, Drohungen und Beleidigungen zum Repertoire.

Auch Schlafentzug durch laute Musik und Licht gehören dazu. Das ICRC berichtet von vielen Gesundheitsproblemen durch die Misshandlungen.   

Trotz des schockierenden Berichts: das Rote Kreuz durfte einige Häftling gar nicht mal sehen.

Abu Ghraib ist überall

Auch wenn wir uns nun sehr auf Abu Ghraib konzentriert haben, auch anderswo wurde gefoltert.

Beispielsweise in Umm Qasr/Camp Bucca, das hauptsächlich von den Briten geführt wurde. Dort seien Gefangenen angeschrien und beleidigt worden,  getreten, mit Gewehrkolben geschlagen und herumgeschubst worden. Sie seien mit Gewehren und Transfer nach Guantanamo Bay  bedroht worden.

Ein Reporter, der drei Tage in US-Gewahrsam in Falludscha war: „Sie sagten: ´Schör noch einmal bei Gott und wir brechen dir alle Knochen´“. Er berichtet, er sei die ganze Nacht misshandelt worden, man habe ihn mit lauter Musik zugedröhnt, ihm den Mund mit Klebeband verschlossen und ihm Tüten über den Kopf gestülpt.

Baha Mousa beschäftigt die Briten seit Jahren. Der Vater wurde im September 2003 von britischen Soldaten festgenommen. 36 Stunden nach der Festnahme war er tot. Er starb mit 93 Verletzungen. Eineinhalb Tage lang mussten Mousa und andere mit Kapuze auf dem Kopf in schmerzhaften Positionen verharren. Mousa begrüßte die Briten freundlich, hoffte er auf ein Ende der Tyrannei. Doch ein halbes Jahr später würde er fotografiert werden, mit blauen Augen, medizinischen Schläuchen und einer kaputten Nase-tot, ermordet durch Briten. Die Iraker, die festgenommen wurden, seien angeschrien, getreten und geschlagen worden.  Sie mussten singen/schreien und einer musste wie Michael Jackson tanzen. Nicht schlimm? Trotzdem  war Mousa bald tot.

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Am 10.11.2003 stellt sich ein Saddam-loyaler General, der Terrorangriffe gegen die Besatzer vorbereitet haben soll. Er will, dass sein Sohn freigelassen wird. Stattdessen wird er sofort in ein Geheimgefängnis der CIA im Irak abtransportiert. Man steckt ihn in einen Schlafsack, macht den Reißverschluss zu und drischt auf ihn ein, wahrscheinlich mit Baseballschlägern. Er stirbt. (Mehr zu den CIA-Geheimknästen in Teil 5)

5.4.2004: In Mosul stirbt ein 27-Jähriger Iraker (Zivilist) 72 Stunden nach seiner Festnahme, bei der durch Gewaltanwendung Kopfverletzungen und Rippenbrüche entstehen. Danach habe man ihm eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt, er wurde gefesselt, mit Schlafentzug und Temperaturschocks gefoltert. Am Ende kippte man eiskaltes Wasser über ihn aus.

In Camp Nama (von US-Spezialkräften geführt) gab es einen eigenen, schwarz angemalten, fensterlosen Black Room. Dort wurden laut New York Times Gefangene mit Gewehrkolben geschlagen, angespuckt und angeschrien. In der Nähe wurden Gefangene als menschliche Paintballziele benutzt(!) Außerdem hingen im Camp Plakate mit der Aufschrift „No Blood-No Foul“-solange der Gefangene nicht blutet, gibt es kein Problem.

Das Abu Ghraib des Vereinigten Königreichs

Nahe Basra im Irak sollen die Briten auch ordentlich gefoltert haben: man habe sie am Schlaf gehindert, ihnen Essen verweigert, ihnen Reize entzogen (Sensorische Deprivation), ihnen mit Hinrichtung gedroht,durch weibliches Personal gedemütigt, 30 Stunden in schmerzhafte Positionen gesperrt, geschlagen und sogar mit Elektroschocks gefoltert.

Von oben erlaubt

Und wieder ist die Behandlung von oben angeordnet worden: am 14. September 2003 unterzeichnet Ricardo Sanchez, Leiter der multinationalen Streitkräfte im Irak, und Lieutenant General der US Army, ein Memorandum zu Verhörmethoden. Neben Standardmethoden wie dem Spielen mit Emotionen oder direkte Fragen. Doch auch „Pride and ego down“ (Stolz und Selbstwertgefühl runterziehen), zum Beispiel durch Beleidigungen. Im Memo folgt der Hinweis, dass andere Nationen dies wohl als Verletzung der (im Irak geltenden) Genfer Konventionen einschätzen.

Es geht weiter:  Essenswechsel von Heißrationen zum Feldessen der Armee

„Manipulation der Umgebung“ so zum Beispiel „Anpassen“ der Temperatur oder „Einführen“ eines unangenehmen Geruchs.  Wieder eine Warnung: „Achtung: Basierend auf Gerichtsfällen in anderen Ländern könnten manche Staaten den Einsatz dieser Technik unter bestimmten Umständen als unmenschlich ansehen“

Wie in GTMO “Schlafanpassung” zum Beispiel “Umkehren der Schlafzeiten von der Nacht auf den Tag”. Dies sei „KEIN“ Schlafentzug.

Isolation

„Falsche Flagge“- dem Gefangenen soll weisgemacht werden, die Vernehmer kämen aus einem anderen Land aus den USA.

„Anwesenheit von Militärhunden“ zum „Ausnutzen der arabischen Angst vor Hunden“

„Schlafmanagement“  Der Gefangene bekommt 4 Stunden Schlaf pro 24 Stunden, dies maximal 72 Stunden

„Schreien, Laute Musik und Lichtkontrolle“ u.a. um „Angst zu erzeugen“

Einsatz von falschen Dokumenten

Stresspositionen: 1 Stunde pro Position, insgesamt maximal 4 Stunden

Die Taktiken gehen also weit, und sie wurden auch von oben abgesegnet. Wie üblich.

 

 

 

BILDERSAMMLUNG AUS DEM HORRORKNAST-ACHTUNG:HEFTIG

ABU GHRAIB PICS

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