Die Guantanamo Story 4

Wieder Fotos von Gefangenen, Gewalt, grausame Behandlung, endlose Haft, keine Rechte: In Afghanistan macht das US-Foltersystem nach 9/11 nicht halt.

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Afghanistan

Auch in Afghanistan wurde von den Amerikanern  kräftig gefoltert.

Ein Ex-Gefangener berichtete, man habe ihn gefesselt und auf den Boden geworfen, mit Schläuchen nass gespritzt und stundenlang mit Schlagstöcken verprügelt.

„Ich musste sagen, mit welchem Tier ich am liebsten Sex hätte, damit sie es für mich besorgen könnten.“

Menschenrechtsgruppen stufen die Zustände in Afghanistan offenbar schlimmer ein als im Irak. Dem Roten Kreuz werde der Zugang zu mehr als 20 Lagern verweigert. 2005 heiß es im FOCUS, weibliche Vernehmungskräfte würden Gefangene in Genitalien und Nacken treten. Anschließend hätten die „die sich unter Schmerzen windenden Gefangenen“ die Stiefel der Soldatinnen küssen müssen.

In einem anderen Fall seien Gefangene gezwungen worden, Flaschendeckel aus einer mit Exkrementen und Wasser gefüllten Tonne fischen müssen.

Jannat Gul wurde zuerst im US-Stützpunkt Gardez und dann 16 Monate lang im US-Lager Bagram festgehalten.  Er sei geschlagen und getreten worden, einmal habe man ihm befohlen, sich auf den Boden zu legen und ihn dann am Hals hochgezogen, sodass er fast erstickt wäre.

„ Wenn du nicht gestehst, was du getan hast, bringen wir dich um“

Noor Mohammed Lala war in hohen Alter, als er von US-Marines festgenommen wurde. „ Ich fühlte mich wie kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Noch nie hatte  ich mich vor einem anderen Menschen nackt ausgezogen. Ich habe ein Problem mit der Blase und konnte nicht an mich halten.  Danach fühlte ich mich so erniedrigt, dass ich vor Schmerz nichts mehr sah.“

Bagram und Kandahar

Jamil El Banna wurde zwei Wochen lang in Bagram festgehalten. Er sei zwei Wochen lang in ein dunkles Loch ohne Licht gesteckt worden.  Man habe ihm Handschellen angelegt und ihm nichts zu essen gegeben.

„ Von den Amerikanern hatte ich so etwas nicht erwartet“

Die drei Briten, von denen wir schon in GTMO hörten, berichten auch über ihre Behandlung in Afghanistan. Im Lager Kandahar mussten sie bei der ankunft mit gebugtem Körper die Stirn in den Boden pressen. Wer das nicht perfekt machte, wurde bestraft. Nach zwei bis drei Stunden in dieser krummen Haltung hob einer von ihnen den Kopf, da er schreckliche Schmerzen hat. Sofort tritt ihn ein Soldat und kniet sich auf seinen Rücken. Während er durchsucht wird, traktieren sie ihn mit    Faustschlägen.  Dann nimmt man ihnen die Kleidung ab. Sie müssen nackt frieren, während sie untersucht und fotografiert werden.  In Kandahar ist Gewalt pblich: Bei Zelleninspektionen trampeln die Gis auf den Sachen der Häftlinge herum, Korane werden ins Klo geworfen. Verhöre finden bei vorgehaltener 9mm-Pistole statt. Sei wurden immer in Ketten und auf Knien verhört, getreten und geschlagen.

Tarek Dergoul landete in Bagram, wo sie ihm Kapuzen überstülpten und ihn nackt auszogen. So fotografierten ihn nackt. Er sah, wie Wärter Gefangene stundenlang hocken ließen, wer umfiel, wurde bewusstlos geschlagen.

Verhöre in Bagram liefen auch sonst nicht glimpflich ab: Khalid Scheikh Mohammed, „Mastermind von 9/11“, berichtet, er sei an den Händen aufgehängt und sexuell gedemütigt sein. „KSM“ durchlief eine Odyssee: Bagram, CIA-Schattenknäste, Guantanamo. Er wurde bis zum Geht-nicht mehr gefoltert.

„Ich musste

mich auf den Boden legen. Ein Schlauch

wurde in meinen Anus eingeführt und sie

ließen Wasser hineinlaufen.“

 „Neben Bagram wirkte Guantanamo auf

einmal wie ein nettes Hotel“, erinnert sich

Militärstaatsanwalt Stuart Couch, der beide

Lager von innen sehen durfte, 

Schläge, Schlafentzug, sexuelle Demütigung. Von Anfang an üblich.

Gefangenen wurde bei Befragungen der

Penis eines Vernehmers ins Gesicht gehalten,

andere wurden mit Hilfe eines Stocks

vergewaltigt, wieder anderen mit Analverkehr

gedroht.

Den damals 15-jährigen kanadischen

Häftling Omar Khadr soll das Militärpersonal

als lebenden Wischmopp benutzt haben:

„Sie banden mich an Händen und

Füßen zusammen, kippten Öl über mich

und bewegten mich mit dem Bauch vor

und zurück über den Boden, über eine

Mixtur aus Öl und Urin.

Bagram ist ein rechtliches schwarzes Loch, im Gegensatz zu Guantánamo habven die Gefangenen bis heute weder Zugang zu Anwälten und ohne Möglichkeit, ihre Inhaftierung anzufechten. Schon 2002 waren zwei Gefangene gestorben. Sie waren vor ihrem Tod stundenlang an ihren Handgelenken aufeghängt und zusammengeschlagen worden. Beim einen habe das Bein ausgesehen, als sei es Brei. Obwohl die Vernehmungsbeamten, wie sie später zugaben, wussten, dass sie unschuldig waren. Der Taxifahrer Dilawar war erst 22, als er starb.220px-Bagram_prisoner_abuse.184.1.450

Bild: Zeichnung eines Soldaten über die Weise, wie die Afghanen aufgehängt wurden

2009 befragte die BBC 27 Ex-Insassen. Nur zwei sagten, sie seien gut behandelt worden.

Immer wieder berichteten die Gefangenen von: körperlicher Gewalt, Stresspositionen, extreme Hitze oder Kälte, unerträglich laute Geräusche, erzwungene Nacktheit vor weiblichem Personal. Vier wurden mit Erschießung bedroht.

Bagram:Schläge, Nacktheit, Schlafentzug

Im Buch „My Guantánamo Diary“ berichtet eine junge Afghanin/Amerikanerin, die für die Gefangenenanwälte die Aussagen der Insassen übersetzte, ihre Erfahrungen. Ein Kinderarzt, Dr. Ali Shah Mousovi (der übrigens in Guantanamo sitzt, obwohl er GEGEN die Taliban kämpfte), war auch in Bagram. Bei seiner Ankunft hatte er einen Sack über dem Kopf, eine Augenbinde, und er war gefesselt. Man warf ihn in eine 1x2m Zelle und trat ihn. Schlimmer als die vielen Wunden fand er es, dass man ihn am Schlafen hinderte. Man hielt ihm Lautsprecher mit dem ohrenbetäubenden Lärm von Sirenen nebens Ohr.  Wenn er einschlief, schlugen die Soldaten gegen die Tür. Er wurde mit eiskaltem Wasser übergossen. Man erlaubte ihm zwei Wochen am Stück nicht, sich hinzusetzen.  Seine Beine fühlten sich wie gekochte Spagetti an. Wenn er hinfiel, schlug man ihn und zwang ihn, weiter zu stehen. Die Soldaten schlugen und traten Gefangene wie Mousovi, schrien Beleidigungen über Religion, Mütter und Schwestern, und ihre Nationalität. Sie spuckten sie an. Man hatte sie extremen Temperaturen ausgesetzt. Der Arzt wurde gezwungen, nachts über zu Stehen oder in unangenehmen Haltungen stundenlang zu verharren, und bestraft wenn er den Kopf drehte. Er wurde in totaler Dunkelheit gehalten und dann gezwungen, direkt in ein helles Licht zu sehen. Zum Schloss beschreibt er die größte Demütigung: die erzwungene Nacktheit vor anderen Häftlingen und den Soldaten.

Verschwunden und gefoltert

In einem langen Artikel beschreibt ein Journalist, wie Menschen einfach verschwinden. Bei nächtlichen Razzien fliegen die Amerikaner sie in Geheimgefängnisse. Und diese Leute sind teilweise unschuldig: einer arbeitet sogar für die US-gestütze Karzai-Regierung, und muss die Taliban fürchten. Solche Leute werden also festgenommen, obwohl sie eigentlich auf Seite der Amerikaner stehen,

Neun kleinere Haftzentren unterhalten die US-Stellen in Afghanistan. Von dort wird über schwere Misshandlungen berichtet. Ein Polizist in US-Gewahrsam sagte, man habe ich die ganze Nacht lang verhört, ihm die Augen verbunden, ihn gequält, ihm zwölf Flaschen Wasser eingeführt, was zu unkontrolliertem Erbrechen geführt habe, und ihn an die Decke gehängt.  Man habe einen nicht angeleinten Hund auf ihn losgelassen, was mehrfache Bisse zur Folge hatte.

Ein Gefangener wurde dreizehn Tage festgehalten, um dann mit Gedächtnisprobleme (vermutlich durch Schläge auf den Kopf) und Bisswunden zurückzukehren.

Andere Afghanen berichtet, man habe sie nicht Schlafen lassen und tagelang gefesselt.

Bagram-Gefangene berichten davon, dass sie tagelang an den Füßen gefesselt, fast zwei Wochen mit Schlafentzug gefoltert und ihnen die Augen verbunden. wenn sie einschliefen, schlug man sie. Auch Stresspositionen seien engesetzt worden.

Ein Arzt, dessen Vergehen es war, alle zu behandeln, also auch Taliban, wurde nach Bagram gebracht, ins Black Jail (Schwarzes Gefängnis), ein hauptsächlich für Verhöre gebrauchter Teil des Lagers, zu dem dem Roten Kreuz der Zutritt verwiegert wird. Wie üblich, war schon die Festnahme brutal: die US-Soldaten töteten fünf Menschen, darunter zwei Patienten. Den blutigen, gefesselten Leichnam seines Vaters fanden Bewohner kurz darauf. Im Black Jail hielt man ihn in einer fensterlosen Einzelzelle. Er wurde am Nacken gepackt, man verweigerte ihm Essen und Wasser.

Der Gefangene Murat Kurnaz, der später als Deutsch-Türke in GTMO saß, berichtet von Folter durch die US-Soldaten in Kandahar: Elektroschocks, Aufhängen an den Handgelenken, Scheinertränken (Kopf unter Wasser drücken, in den Magen schlagen, bis zum Fast-Ertrinken). Am Aufhängen seien Gefangene gestorben, ebenso an der Gewalt: Die GIs trugen blutige Leichen herum.

Auch der Kalifornier John Walker, der sich den Taliban anschloss, litt. Die Soldaten vewrbanden seine Augen, zogen ihn Nackt aus, und fesselten ihn mit Isolierband an eine Trage. So zeigte man ihn der Weltpresse. Auf die Binde kritzelten die SOldaten „Arschloch, sie drohten ihm mit Erhängung und steckten hin in einen fensterlosen Container. Er wurde auf zei US-Kriegsschiffen verhört. Sein Anwalt sagte, man habe ihm bei den Befragungen einen Anwalt verweigert und Zwang angewendet. Unter diesem Zwang verzichtete er unfreiwillig auf sein Schweigerecht.John_Walker_Lindh_Custody

Außerdem gab es ja noch einiges anderes in Afghanistan: auf Videos bepinkelten Soldaten tote Taliban, andere nahmen Körperteile als Souvenir mit, dieses Jahr tötete ein Soldat 16 Afghanen unschuldig im Schlaf, in Bagram verbannte man den Koran.

Das sanierte neue Gefängnis in Bagram ist mittlerweile älter und größer als Guantánamo und steht seinem kubanischen Kollegen auch in Sachen Brutalität um nichts nach.

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