Schmutzige Schokolade

Schmutzige Schokolade

Elf Kilo Schokolade verputzt jeder Deutsche pro Jahr- gerade in der Adventszeit wenden wir uns ab von all dem bunten Gummikram, um beherzt in Weihnachtsmann und Co. zu beißen.

Doch die Schattenseite des Schokohungers ist bitter-blutig.

Tausende Kinder arbeiten unter sklavischen Bedingungen an der Elfenbeinküste und in Ghana, den Hauptproduzenten von Kakao. 42% der weltweiten Ernte kommt aus der Elfenbeinküste.Die Kinder werden teilweise mehr als tausend Kilometer verschleppt, um auf den Plantagen Westafrikas zu arbeiten. Sie arbeiten mit gefährlichen Werkzeugen über lange Zeiträume, werden misshandelt und nicht gut ernährt. Flucht (fast) unmöglich aus dieser Hölle.

Diese Zustände zeigte Miki Mistrati 2010 in seiner Dokumentation „Schmutzige Schokolade“. Die Kakaoindustrie, respektive Multis wie Nestlé (Nescafé-Kakao, After Eight, KitKat, Lion, Smarties; Rolo; Nestlé die Weisse;Aero; Butterfinger und viele andere) Kraft (Milka,Cote D’Or, Toblerone ) Mars ( Mars, Snickers, Milky Way,  Bounty, Balisto, Galaxy, M&Ms, Maltesers) versprachen Besserung.

2012 wollte Mistrati dies überprüfen. Doch man ließ ihn nicht.

Big Chocolate behinderte die Recherchen

Doch die Administration in der Elfenbeinküste hat gelernt: so einen Film wie 2010 sollte es nicht noch einmal geben. Ein Visum sollte Mistrati nur unter der Bedingung bekommen, dass ein großer Kakaokonzern ihn einlädt. Zwar hatte man Mistrati bei Gesprächen (natürlich ohne Kamera) von tollen Projekten erzählt, doch nach Anfragen an ca. zehn Hersteller wollte ihn niemand einladen. Heißt: die Industrie verhinderte, dass man ihre Versprechen überprüfte.

Mistrati blieb in Ghana und beauftragte eine Kollegen mit der Recherche.

Eine Multimilliardenindustrie und kaum Geld für gute Zwecke

Was hat die Industrie in zwei Jahren getan? Mit Kakao/Schokolade kann man ein gigantisches Geschäft machen. Der Jahresumsatz von Ferrero, Nestlé, Hershey und Cargill (verschiedene Jahre) lag bei über 180 Milliarden Euro*. Dagegen wurde der ICI, die International Cocoa Initiative, nur mit 388.000 Euro ausgestattet. Der ICI soll für bessere Bedingungen sorgen. Dort ist Big Chocolate komplett vertreten: Kraft, Mars, Nestlé, Hershey, ADM, Ferrero und andere. Doch im Vergleich zu diesen Gewinnen ist das nichts.

Wenn das Geld wenigstens was nützen würde

Der Journalist Ange Aboa finden allerdings Erschreckendes: in einem Dorf sollte eine Schule gebaut werden –vom ICI. Baubeginn war 2009, doch Schule? Fehlanzeige. Eine Rohbaut aus Beton, einige Wände stehen, kein Dach, keine Fenster, geschweige denn Inneneinrichtung. Dort, wo Klassenräume sein sollten, wächst das Gras immer höher. Warum braucht man drei Jahre? Die Firmenvertreter sprechen von politischer Instabilität, doch die letzten Unruhen waren einerseits lange nach 2009 und andererseits sind sie wieder seit Monaten vorbei.schmutzige-schokolade-2-102~_v-varmimage-137889-galleryV9-rgpwsendung46459_v-contentgross

Fotos (v.o.n.u.): ein Rohbau ohne Sinn; Ausbeutung 2010; …und 2012

6.000 Euro müsste der Industrieverband, dessen Mitglieder Milliardengewinne machen, zur Fertigstellung zahlen. Doch er tut es nicht.

„Miki, es passiert nichts“

Ange Aboa

Dabei haben die Dorfbewohner selbst die Hälfte des Gesamtpreises aufgebracht.

Andererorts sieht es ähnlich aus: zwei Schulgebäude und eine Krankenstation waren versprochen, nun gibt es nur ein Schulgebäude und der Rest wird in einem Baufälligen Gebäude unterrichtet. Es regnet rein, die Wände bröckeln. Irgendwann, sagt eine Lehrerin, werde alles zusammenbrechen.

Und was ist mit Kinderarbeit?

Und damit ist das Team Aboa/Mistrati noch gar nicht am Ende der Enthüllungen.

Kinderarbeit verhindern kann man doch sicher mit Siegeln wie dem der „Rainforest Alliance“ oder dem „UTZ“ Siegel.

Ein Schild hängt da auf der Plantage. Es beweist, dass sie von Cargill betrieben und von UTZ zertifiziert ist. UTZ will die Schonung der Umwelt und gute Arbeitsbedingungen durchsetzen. Doch auf der zertifizierten Farm finden sie Jugendliche, die aus dem 1500 km entfernten Burkina Faso stammen und wahrscheinlich verschleppt wurden. Die Kinder gehen nicht zur Schule.schokolade289_v-contentgross

Das nächste Projekt wird hauptsächlich von Mars und dem ICI gefördert, doch auch die Rainforest Alliance und die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit sind dabei.schokolade305_v-contentgross

Die Kinder arbeiten mit Macheten (siehe Bild). Eigentlich dürfte man als Minderjähriger laut Gesetz gar keine benutzen. Und das auf einer zertifizierten Plantage.

Was Macheten anrichten, sahen die Filmemacher bei einer anderen Gelegenheit: in der Schulruine verletzte sich ein Schüler beim Jäten. Blut überall, eine tiefe Fleischwunde. Guten Appetit.

Transparenz?

Nestlé wollte 2010 nichts sagen, 2012 nur ohne Kamera und dann auf einmal doch mit Kamera.

„Wir haben nichts getan, weil wir nichts wussten.“ sagt der Nestlé-  Verantwortliche und bedankt sich für die Aufklärung:“Danke Miki!“ Ein Multi bedankt sich dafür, dass ihm Kinderarbeit und fehlende Gegenmaßnahmen vorgeworfen werden. Und vorher wusste die Firma gar nichts darüber. wie seine Produkte hergestellt werden. Soso.

Doch der ICI, dem auch Nestlé angehört,äußerte sich anders. Er sagte, da die Bilder aus der Doku ein Jahr alt seien, sei man in Wirklichkeit viel weiter. Aha!. Man habe den Journalisten Beweise gezeigt, dies hätten aber nicht darauf reagiert. Diese bösen Journalisten! Die armen Megakonzerne!

„Allerdings enthält der Film „Shady Chocolate ‚eine Reihe von Fehlern , schafft es nicht, die Realität des Kontexts zu erfassen, bietet wenig Einblick in das beste Mittel, um dieses komplexe Problem zu lösen, und präsentiert nicht das volle Bild der Anstrengungen, die gestartet werden, die Kinderarbeit zu bekämpfen. Die Filmemacher
sehen nur die Fehler der ICI Bemühungen, und kein Glauben/keine Wertschätzung gegenüber der wesentlichen Arbeit geschenkt hat bei der Verbesserung der
Leben von Kindern in westafrikanischen Kakaoanbaugebieten. Als solches ist der Film einseitig.“

Aus der ICI Stellungnahme

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Eine Antwort zu “Schmutzige Schokolade

  1. Mistratis Film sollte WIEDER UND IMMER WIEDER im Fernsehen gezeigt werden. Er würde der Welt mehr nutzen als die ständig sich wiederholenden Mord- und Totschlagsendungen, die uns jeden Abend um 20.15 aufgetischt werden. Mistrati hat unter Lebensgefahr für diese Aufklärung gearbeit und es ist unsere PFLICHT, ihn auf seinem Weg zu unterstützen, die Menschen weltweit aufzuklären, gegen Kindersklaverei aktiv zu werden und die Ausbeuter wie Mars, Nestlé, Kraft, usw. endlich und konsequent in die Pflicht zu nehmen. D.h. TATSÄCHLICH Schulen zu bauen und diese Sklaverei nicht länger STILLSCHWEIGEND ZU DULDEN!

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