Ein deutscher Skandal in Chinas Gefängnissen

Im November wurde bekannt, dass der westfälische Billigladen takko fashion in chinesischen Gefängnissen produzieren ließ. Über 50.000 Jacken und Tops waren letztes Jahr vom Vertragspartner GFS bestellt worden. Auch dieser gehört zu einem deutschen Unternehmen mit Sitz in Hamburg.
Gefängnisproduktion sei in China, dem größten Bekleidungsimporteur nach Deutschland, auch in anderen Branchen üblich und lasse sich nur schwer verhindern.
Wenn überhaupt gezahlt, falle der Lohn sehr gering aus, sagen Menschenrechtler. Die Insassen arbeiten 12 Stunden am Tag. Sowohl arbeits- als auch Haftbedingungen sind entsetzlich.
Der Klamottendiscounter war bereits 2004 aufgefallen. Damals musste takko Mitarbeiter entlassen. Interne Dokumente der Firma (Umsatz 2002/2003: 673 Mio. €) belegen, dass offenbar alle Mitarbeiter über 50 Jahre auf „Entwicklung und Optik‘“ überprüft werden sollten. Der SPIEGEL fasste das so zusammen: „Wer nicht hübsch genug ist, fliegt“.
1997 war ein ähnlicher Fall zu sehen: in den USA brach eine Kontroverse aus, als bekannt wurde, dass Gefängnisprodukte made in China in den USA verkauft wurden. Ex-Häftlinge berichteten damals, sie hätten erst acht Stunden lang schwere Steine tragen müssen und dann künstliche Blumen die Nacht hindurch produzieren. Wer aufgab, wurde brutal verprügelt.
Im „laogai“-System Chinas leiden Gefangene unter schrecklichen Wohnbedingungen und ihrem Arbeitseinsatz bei gefährlichen Stoffen.

Takko will nun aufräumen, doch räumte der Konzern ein, nur etwa ¾ der Anlagen zu kennen, die für ihn produzieren. Bis 2013 wolle man totale Transparenz herstellen.
Allerdings ist die schwierig. Bei Kontrollen wird gemogelt, Angestellte unter Druck gesetzt.
Und am Ende wird es wohl auch weiterhin ums Geld gehen und nicht um Ethik.

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