Kommentar: CSR jetzt!

Privatpersonen werden schon seit Ewigkeiten in ihrem Tun eingeschränkt ( zu Recht). Aus “ Du sollst nicht töten“ wurden Gesetze, Regelungen. Regierungen, Behörden wurden kontrolliert. Heutzutage ist die einzige große Macht, die sich keiner wirksamer Kontrolle unterziehen muss, das Unternehmertum. Multinationale Konzerne von Nestlé über Pfizer bis hin zu H&M agieren in einem System der Verantwortungslosigkeit.
CSR, Corporate Social Responsibility heißt das Zauberwort. Es ist doch nicht so schwer: Unternehmen sollten Rücksicht nehmen auf die Folgen ihres Handelns. Doch offenbar ist das kaum möglich. Es gibt zwar schöne Programme, tolle Namen, doch was die Multis da präsentieren, ist eher oberflächlich, eine Scheinwelt.

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Cheese! Werbebildchen von Novartis (Nr. 2 weltweit in der Pharmabranche ,Nestlé (Nr. 1 bei Lebensmitteln)und Shell (einem der größten Konzerne überhaupt)
Gemeinsame Wertschöpfung  nennt es der Schweizer Nestlé, Microsoft behauptet, bei einer Umfrage als Nummer-Eins-Unternehmen plaziert worden zu sein-was CSR betrifft. Doch wo bleibt da die traurige Wirklichkeit. Nestlé: ausspionierte Firmengegner, ermordete Gewerkschafter, abgeholzter Regenwald, ausgebeutete Kinder, aggressives Marketing und die Trinkwasserproblematik.  Microsoft dürfte wohl als ein Monopolist der übelsten Sorte gelten. Wettbewerb scheint dem Unternehmen mit fast 95.000 Mitarbeitern eher zu stinken.
Und Unternehmen, die nicht nachhaltig arbeiten wollen, kann man momentan nicht zwingen. Das gilt auch die Politik: deutsche Anwälte klagten hochrangige Anwälte und Beamte der Regierung Bush an . Es ging um die Folterungen vom Guantanamo bis in den Irak, um nackt an den Fußboden gekettete und mit dem Tode bedrohte Gefangene. Zweimal Anzeige, zweimal Absage. Das war Deutschland. Und Unternehmen sind ähnlich unantastbar. Man kann nicht klagen wenn politische oder wirtschaftliche Interessen im Spiel sind. Es gab Versuche: gegen Coca-Cola, Dole Foods oder Nestlé. Doch die Klagen und Prozesse verlaufen gerne im Sande. Selbst wenn (im Falle kolumbianischer Gewerkschafter) Menschen ermordet wurden.
Natürlich ist es schwer, die Verantwortung einer Konzernleitung in einem gläsernen Bürogebäude in Nordamerika oder Europa wegen eines Verbrechens am anderen Ende der Welt festzumachen. Doch erscheint es um so einfacher, wenn man bedenkt, wie leicht sich die Firmen rechtlicher Mittel bedienen können. Nestlé verklagt Gemeinden in den USA, die sich gegen Privatisierung wenden. Und auch wenn es um die Meinungsfreiheit geht: der Wasserkonzern VEOLIA versuchte juristisch, die Ausstrahlung eines kritischen Films zu verhindern. Ihm gleich tat es der Fruchtkonzern Dole. Dann fragt man sich schon , wieso darf eine Firma kritische Filme verbieten lassen, aber sie darf nicht für Menschenrechtsverletzungen belangt werden.
Das zeugt natürlich von einem tief liegendem Ungerechtigkeitsproblem in westlichen Justizsystemen. Oft gilt leider: Wer mehr Geld hat, gewinnt. Politik und Gerichte sind eng verbunden mit der Industrie, es ist eine Kumpanei auf Kosten der Gerechtigkeit und der dritten Welt. Mit miesen Tricks lässt sich immer noch ein Verfahren gewinnen.
Das Justizsystem wird sich in nächster Zeit nicht ändern, Entwicklungshilfeaktivisten werden nicht auf magische Weise von der Politik erhört, und Firmen werden nicht zu guten Samaritern werden. Und wenn sie alles noch so gerne schönreden, dann müssen die Vernünftigen und Engagierten sich zusammenraufen und mit dem Finger auf das Unrecht zeigen- egal wo es geschieht, egal ob es Gerichte oder Politiker interessiert.

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