Im falschen Film

–ELF JAHRE GUANTÁNAMO–SERIE–
Ein neuer Film heizt die Debatte um den Nutzen von Folter an
Im Dezember hatte der US-Senat die Wahrheit auf 6000 Seiten aufgearbeitet in einem Bericht über das CIA-Programm im Kampf gegen den Terror. Das weltweite Netzwerk aus CIA-Geheimgefängnissen und Flugzeugen, die Terroristen transportierten, auch in die Folterkeller arabischer Diktatoren, ließ Guantánamo alt aussehen. Dieses Netz geheimer Haftzentren erstreckte sich über Thailand, Afghanistan, Polen, Litauen, Rumänien, dem Irak und anderswo.  Der brisante Bericht ist: geheim. Zur gleichen Zeit sorgte ein Spielfilm für heftige Diskussionen: „Zero Dark Thirty“ von Kathryn Bigelow („The Hurt Locker:Tödliches Kommando“) zeigte eine CIA-Agentin bei der Jagd auf den Terrorfürsten Osama bin Laden. Der Film spiegelt ein Jahrzehnt des Krieges und der Jagd wieder, und zeigt auch die dunkle Seite: es werden Szenen gezeigt von brutalen Verhören, in einer nie zuvor bekannten Härte. Der Gefangene wird nackt ausgezogen, in kleine Kisten gezwängt, angekettet. Auch das berüchtigte Waterboarding gehört dazu. Doch Knackpunkt ist die direkte Verbindung von Folterbefragungen und dem Aufspüren von Osamas Kurier, ein entscheidender Meilenstein im Kampf gegen al-Qaida.

530585_10151193484146363_159481_n wb                                                     Demonstration gegen Filmpremiere in Washington, Waterboarding-Darstellung in amnesty-Protestspot

Doch der Film zeige nicht die Wahrheit, empören sich drei US-Senatoren. Sie stehen nicht alleine da: eine Regierungskommission befand vor kurzem, dass „coerced interrogations“-Zwangsverhöre unter Einsatz aggressiver Methoden wie Schlafentzug und Einzelhaft-keine bedeutenden Informationen bei der Jagd auf den Terrorboss gehabt haben. Nun beschäftigt sich der Senat sich auch mit der Frage, ob Geheimakten weitergegeben wurden. Ironie des Schicksals: die US-Behörden, die sonst so ungern Details über das CIA-Haftsystem preisgeben, sollen Informationen an die Filmemacher weitergegeben haben, um das Image von Folter aufzupolieren.

„Ich wünsche mir, dass Folter kein Teil dieser Geschichte wäre. Aber das ist sie“ K. Bigelow, Regisseurin

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