Von Pillen und Profiten

Eli Lilly, einer der großen US-Pharmakonzerne, hatte 2009 ein großes Problem: der Konzern musste sich mit der US-Regierung auf 1,4 Milliarden Dollar Strafe einigen. Der Grund: Lilly hatte Ärzte mit aggressivem Marketing dazu gebracht, das Medikament Zyprexa auch Älteren und Kindern zu verordnen. Das Mittel wird hauptsächlich bei Psychosen eingesetzt. 800px-Pills_MC_inverse

Doch eigentlich hatte die US-Arzneibehörde FDA Zyprexa gar nicht für Ältere und Kinder zugelassen, außerdem wusste Eliärzte Lilly von schweren Nebenwirkungen wie drastischer Gewichtszunahme und dem erhöhten Todesrisiko bei Demenzpatienten. Wie auch immer, die Methoden der Firma haben geklappt: in den letzten Jahren ist die Zahl der Verschreibungen von Zyprexa für Kinder in luftige Höhen geschnellt.

Das ist kein sehr extremer Fall, arbeitet Big Pharma (= die großen Pharmagiganten) doch üblicherweise mit heftigen Vermarktungstricks, extremem Lobbying und Vorteilen für Ärzte, die teilweise an Bestechung grenzen.

2010 machte die Pharmaindustrie in Deutschland um die 40 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das sind die höchsten Werte europaweit. Europa insgesamt macht etwa 30 Prozent des weltweiten Pharmaumsatzes auf, und damit sind wir die zweit-umsatzstärkste Region weltweit. Der größte Konzern ist Pfizer, gefolgt von Novartis. Andere Global Player aus den Top 10 sind Sanofi-Aventis, Roche, Merck & Co., Abbott, AstraZeneca, GlaxoSmithKline, Johnson& Johnson und Eli Lilly. Zu den größten deutschen Herstellern gehören Boehringer Ingelheim und Bayer.

Extremes Marketing: Üblich

Zyprexa ist kein Einzelfall: im Juli 2012 wurde GlaxoSmithKline (GSK) zu einer 3-MilliardenStrafe verurteilt. Der Fall betraf einige seiner besten Antidepressiva und ein Diabetesmedikament. Der Konzern hatte Ärzte mit Trips in die Karibik oder Wellnessaufenthalten und Jagdausflügen belohnt. Desweiteren hatte man Ärzte dazu ermuntert, Kindern das Medikament Paxil zu verschreiben. Zu den „Überzeugungstaktiken“ gehörte auch, Studiendaten in einem Medizinjournal falsch darzustellen.

Im Mai zahlte Abbott 1,6 Milliarden wegen illegalen Marketingpraktiken. Das Unternehmen hatte sein Präparat Depakote auch für Krankheiten und Probleme wie Schizophrenie oder Aggressivität bei älteren Demenzpatienten beworben, obwohl die FDA dies nicht zugelassen hatte. Abbott setzte sich auch für die Kombiation mit Antipsychotika ein, obwohl Studien keinen Zusatznutzen gegenüber der Behandlung ohne Depakote gezeigt hatten.

Ebenfalls 2012: Johnson & Johnson einigt sich auch auf hohe Strafzahlungen. Wie auch bei Zyprexa und Depakote hatte man das Antipsychotikamittel Risperdal auch für ältere Demenzerkrankte, Deppressive und Patienten mit PTBS (post-traumatischen Belastungsstörungen) verkauft. Die FDA hatte das Medikament hierfür nicht zugelassen. J&J belohnte Ärzte allerdings, wenn sie für diese nicht genehmigten Zwecke Risperdal verschrieben (Anmerkung: das Verschreiben von Medikamenten zur Behandlung von Krankheiten, für die das Mittel nicht zugelassen ist, ist per se nicht verboten, die Vermarktung der Präparate für diese Zwecke schon). Das Unternehmen hatte sogar eine eigene Verkaufseinheit gegründet, die allein die Verwendung von Risperdal für demente Senioren vorantreiben sollte, obwohl diese Verwendung nicht erlaubt war.

Und im Dezember erklärte sich der Amgen-Konzern zu Zahlungen von 762 000000 US-$ bereit. Man hatte Ärzte mit Wochenendausflügen belohnt und sie ermutigt, eher Amgen-Produkte zu verschreiben. Und das obwohl billigere Mittel auf dem Markt waren. Die Mediziner sollten auch ruhig mal eine Extraportion der Medikamente mitnehmen.  So hatte Amgen dem staatlichen Gesundheitssytem geschadet.

2007 kostete eine ähnliche Angelegenheit den Konzern BristolMyersSquibb über 500 Millionen Dollar.  So hatte der Konzern beziehungsweise eine Tochterfirma  zwischen Mitte der neunziger und Anfang der 2000er Ärzte illegal belohnt , mit Luxustrips, attraktiven Beraterjobs und Sachgeschenken. Auch BristolMyersSquibb setzte das „off-label-marketing“ ein, es bewarb ein Medikament für nicht zugelassene Zwecke.  Außerdem soll die Firma übertriebene und „betrügerische“ Preise verlangt und  dem US-Gesundheitssystem geschadet haben.

2008: der US-Gigant Merck zahlt über 650 Millionen Dollar. Wieso? Erstens hatte der Konzern zwischen 1997 und 2001 etwa fünfzehn (!) Belohnungsprogramme für Ärzte, größtenteils aus Geld, das als „Training“, „Beratungshonorar“ oder „Marktforschung“ verbucht wurde. Die Regierung hält diese Zahlungen für illegal.  Die Firma bot Krankenhäusern großzügige Rabatte angeboten, falls diese keine Konkurrenzprodukte verwenden würden. Solche Rabatte wurden den Gesundheitsbehörden wieder vorenthalten. Im gleichen Jahr zahlte das Unternehmen Cephalon 425 Millionen Dollar für off-label-Marketing.

Damit diese Liste vollständig ist…

2005: Lilly bezahlt 36 Millionen Dollar wegen  „off-label-marketing“ eines Postmenopause-Osteoporose Medikaments als Brustkrebsmittel (auch Vermarktung als Herzpille war geplant)

2005: der Schweizer Konzern Serono muss über 700 Millionen Dollar blechen. Er hatte Ärzten einen Trip nach Cannes (Frankreich) bezahlt und mit Verkaufsmethoden den Markt für seine AIDS-Arznei vergrößert. Der Umsatz von Serostim sank, da andere Mittel auf dem Markt waren, und so hat Serono die Definition der zu behandelnden Krankheit gelin. de gesagt ausgeweitet. Eine laxe Definition bedeutet mehr Patienten.

2006: Schering-Plogh wird zu 435 Millionen verdonnert. Wieder einmal hatte ein Unternehmen Medicare, ein staatliches Hilfsprogramm für die medzinische Versorgung der Armen. Die Firmen sind verpflichtet, den Behörden den Tiefstpreis, den sie gegenüber komerziellen Partnern verlangen, mitzuteilen. So soll Medicare von niedrigen Preisen profitieren. Doch weil das Profitabschläge bedeutet, wird der niedrigste Preis oft verschwiegen. Auch in diesem Fall. In Punkt zwei wird Schering-Plough vorgeworfen, eine FDA-Ermuttlungskommission belogen zu haben. Die Annahme der FDA, bei illegalen Marketingpraktiken handle es sich um Einzelfälle, wurde von Schering bestätigt. Dabei war dem Unternehmen bewusst, das ungesetzliche Vermarktungstricks weit verbreitet und Teil eines nationalen Firmenplans waren. Danach wollte man die FDA mit der Aussage „einlullen“ (Original-Wortlaut, US Department of Justice!), man habe Maßnahmen zur Verhinderung solcher Rechtsverstöße in der Zukunft eingeleitet, während der Firma bekannt war, dass solche Taktiken weitergingen-sie waren sogar erwünscht.

30 OFF-LABEL-FÄLLE IN WENIGER ALS EINEM JAHRZEHNT-STRAFEN IN MILLIARDENHÖHE

2006: Intermune Inc. bezahlt knapp 37 Millionen Dollar. Die Biotechnologiefirma hatte Medicare betrogen und off-label-Behandlungen beworben. Ein Großteil der Verschreibungen in 2002 und 2003 galten der Behandlung der idiopathischen  Lungenfibrose (IPF). Doch die FDA hatte das Medikament (Actimmune) gar nicht für IPF zugelassen. Zudem habe Intermunde zwischen 2000 und 2002 Studien zur Behandlung von IPF mit Actimmune durchgefürt und selbst die Wirkungslosigkeit des Wirkstoffes gesehen. In den Pressemitteilungen hatte Intermune das natürlich ganz anders dargestellt.

Weitere off-label-Prozesse fanden im April (10,5 Mio. $), Mai (9,8 Mio.) und  Juli (20 Mio) 2007 statt, im März 2010 (42,5 Mio.),zweimal  im Mai 2010 (81 Mio. und 72.5 Mio. ) im Dezember 2010 (41 Mio.), zweimal Juni 2011 (34 und 25 Mio.) und im Oktober 2011 (14,5 Mio.) statt.

2009 zahlte der Gigant Pfizer sagenhafte 2,3 Milliarden. Es ging nicht nur um „off-label“- die Arznei Bextra wurde für Behandlungen vermarktet, zu der die FDA aus Sicherheitsgründen nein gesagt hatte. Um den Gewinn zu maximieren, hatte Pfizer die Patienten wissentlich und illegal einem Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Ungesetzliches Marketing und illegale Boni für Ärzte waren auch bei drei anderen Produkten des Konzerns an der Tagesordnung.

Große wie kleine Konzerne, große wie kleine Strafen.

Im April 2010 zahlte der Global Player AstraZeneca 520 Millionen, um den Prozess um off-label-marketing beizulegen. Es ging aber auch um ghostwriting (Mediziner wurden dafür bezahlt, als Autoren von Studien aufzutreten, die sie nicht durchgeführt haben) und illegale Ärztebelohnungen .   Nur fünf Monate später war Allergan 600 Millionen los. Ärzte wurden bezahlt, das bekannte Mittel Botox „off-label“ beworben. Zur gleichen Zeit zahlte Novartis 422,5 Millionen.  Wieder einmal Medizinerboni und „off-label“  Der September war turbulent für die Branche: die Firma Forest stellte eine Scheck über 313 Millionen aus. Falsche Informationen an die Gesundheitsämter, „off-label“. Über 200 Millionen hagelte es im Dezember des gleichen Jahres von der Firma Elan, die Ärzte belohnt und „off-gelabelt“ hatte.

Auch heute steht Merck wieder in der Kritik. Das Unternehmen hatte den dritten Teil des Animationserfolgs „Madagaskar“ für seine Zwecke genutzt. Das Merck Medikament Claritin für Kinder wurde aggressiv vermarktet, indem man den Claritin-Packungen Aufkleber mit Filmcharakteren und Kinogutscheine beilegte. Auf der Facebook Seite von Claritin konnte man Spiele im Madagaskarstil anschauen und herunterladen. Merck hatte Mütter von Claritin-Kindern dazu ermuntert, ihre Söhne und Töchter und deren Freunde zu Madagaskar-Filmabenden einzuladen, die sie veranstalten durften. Die firmenloyalen Mütter machten Popcorn, Spiele, Ausmalbilder (bzw. sie wurden vom Hersteller damit versorgt) und sie drückten den Kindern tatsächlich Claritin-Muster in die Hand. Die Vorwürfe sind knapp sieben Monate alt.

Claritin-Konkurrent Allegra von Sanofi wird vom Konzern in Zusammenarbeit mit einer Supermarktkette vermarktet. In den Filialen wurde 2011 ein kostenloser Allergietest angeboten. Bei positiven Ergebnissen wurde ein individueller Allergieplan erstellt. Clever! Allerdings ist die Sanofi-Arznei nicht für Lebensmittlallergien genehmigt. Außerdem ist Allegra nicht besser als Konkurrenz- und Nachahmerprodukte, nur teurer. Und der Test wird mit eier zweitklassigen Methode durchgeführt.

Auch Deutschland lässt sich nicht lumpen. 2005 geriet der Ulmer Generikaproduzent (Generika = Nachahmerpräparate) ratiopharm in die Kritik. Ärzt hatten Geldgeschenke und Sachwerte wie Espressomaschinen und Grills erhalten, wenn sie genug ratiopharm-Mittel verordneten. Außerdem brachte die Firma eine Software in die Praxen, die bevorzugt ratiopharm-Mittel vorschlug.

Vor einigen Jahren gerieten mehr als ein halbes Dutzend Pharmafirmen und die ARD in die Kritik. Der Grund: in den ARD-Serien „Marienhof“ und „In aller Freundschaft“ gab es illegitime Product Placements, mit anderen Worten: Schleichwerbung. Krankheiten wie Asthma oder Epilepsie wurden über einzelne Folgen behandelt, irgendwann fiel dann ein Marken- oder Wirkstoffname. 30.000 Euro wurde für solche Placements verlangt, für den „Marienhof“ waren es in drei Jahren insgesamt 250.000 Euro. Wartezimmerblättchen, TV-Hefte und Hausfrauenzeitschriften sind ja so oder so nicht für herausragende journalistische Qualitäten bekannt, aber wenn sie nun Pharmawerbung machen (übliche Praxis), ist das noch schlimmer. Doch auch renommierte Zeitschriften sind betroffen. Im Oktober 2012 rügte der Deutsche Presserat das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“, das den Abonnenten ein Heft mit dem Titel „Hilfe! – Zwischen Krankheit, Versorgung und Geschäft“ zusandte. Auf dem Titelblatt hieß es, das sei ein Magazin „über die Pharmaindustrie“. Aber es handelt sich wohl eher um ein Blättchen von der Industrie-schließlich hatte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) den Auftrag erteilt. Trotzdem wurde der Eindruck erweckt, es handele sich um eine Sonderausgabe. 2010 rügte der Presserat die Fernsehzeitung TV14 für Schleichwerbung. Das Blatt hatte ohne erkennbaren Grund in einem Artikel über Folsäuremangel ein einzelnes Arzneimittel genannt.800px-Prozac_pills

Im Magazin ü3, das in Kindergärten für junge Eltern ausliegt, wird die Werbetrommel ordentlich gerührt. Das Magazin wird von Herstellern unterstützt und von einer Pharmamarketingfirma publiziert. Eine Anzeige für Wachstumshormone von Sandoz wird im Inhaltsverzeichnis wie ein normaler Artikel angepriesen, die Behandlung wird mit einer Kinderrockband angepriesen bzw. verharmlost. Das Verbot der Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente wird geschickt umgangen.

Eli Lill verschickte vor knapp zwei Jahren Postkarten an Krebsärzte. Der Gimmick: in der Karte steckt ein Bildschirm. Von selbst läuft dann ein Spot mit alten Footballspielern ab. Am Ende heißt es:“Kraft ist keine Frage des Alters. Mit Alimta geben Sie Ihren Patienten diese Kraft“.

Alimta ist allerdings kein Stärkungsmittel, sondern ein Krebsmedikament. Es folgt noch eine zweifelhafte Aussage über die Wirkung des Mittels. Trotzdem belegen Untersuchungen keine wirklichen Vorteile gegenüber Konkurrenzarzneien.

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Marketingmaschine Pillenmarkt: Lilly-Aminta-Werbung; Madagaskar-ClaritinPaket mit Mustern und Aufklebern; merck-madagascar-claritin-two-245x300

merck-madagascar-claritin-300x26311045-cover-was-ist-wasMadagaskar-Filmabendbesucher (Kinder) mit Claritin-Mustern; VfA Werbeheft

Doch das dreisteste: der Verband forschenden Arzneimittelhersteller (VfA) präsentiert zum Downoad und zur kostenlosen Bestellung das Heft „Was ist Was-Wie entsteht ein Medikament?“ an. Was aussieht wie eines der Wissensbücher „Was ist Was“ ist ein Auftragswerk der Industrie. Kinder werden das kaum unterscheiden können.

Und 2012 weigert sich das FDP-Gesundheitsministerium weiterhin, das Gesetz zu reformieren. Bisher ist Korruption bei niedergelassenen Ärzten nicht strafbar, und die FDP will dies so bald nicht ändern..

Wissenschaft mal anders

Wenn Unternehmen Studien zu Medikamenten durchführen, wollen sie positiv Ergebnisse. So auch das später von Pfizer gekaufte Unternehmen Pharamcia, das 2000 Studien zu seinem Schmerzmittel Celebrex durchführte. Man überlegte bereits im Voraus, was man tun könne, wenn die Ergebnisse nicht ins Programm passten, also zum Beispiel wenn das Mittel offensichtlich nicht half. Interne Strategiepapiere empfehlen, das Studiendesignn anzugreifen oder zu überlegen, wie man die Daten zur Verfügung stellt. Oder man stelle sie als „statistische Pannen“ dar. Doch es gab auch kritische Stimmen: ein Arzt schrieb, er fände es „nicht so angenehm“, eine „frisierte Version der Fakten“ zu präsentieren. In einer anderen E-Mail hieß es, in einer neuen Analyse picke man sich die Kirschen der Halbjahresstudie heraus (originaler Wortlaut! im Original: „cherry-picking“).

Cherry-Picking ist in der Pharmabranche üblich. Beliebt ist auch die Manipulation durch sogenannte Marker. Das heißt zum Beispiel, eine Firma will die Wirkung eines Mittels gegen Herzprobleme beweisen. Aber diese Firma würde kaum auf die Idee kommen, als Studienziel die Vermeidung von Herzattacken festzulegen. Dies zu erreichen wäre schwierig, und so setzt man einen Marker ein: ein Studienziel, das mit der Zielwirkung in Verbindung gebracht wird. Also in unserem Fall zum Beispiel einen niedrigen Cholesterispiegel. Denn ein niedriger Cholesterinspiegel wird mit weniger Herzproblemen in Verbundung gebracht. Also ührt unsere Beispielfirma Tests mit dem Ziel durch, niedrige Cholesterinwerte zu erreichen. Sie schaffen dies und verkaufen dann das als Herzmedikament, schließlich senke es die Cholesterinwerte. Doch trotzdem hat man es niemals auf seine positive Wirkung auf das Herz getestet.

Ein großes Problem ist, dass viele Forscher und akademische Einrichtungen von großen Unternehmen finanziert werden.

Ein anderer Trick: relativer Nutzen. Zum Beispiel verlängert Präparat A die Lebenserwartung um 2 Wochen, Präparat B um 4 Wochen. Beides nicht viel, doch der Hersteller vom B-Präparat wirbt dann einfach mit „Lebenserwartung doppelt so hoch wie andere Medikamente“. Und verkauft es dann natürlich sehr teuer.

Gesundheitsrisiko Pille

Aber nun geschieht es manchmal dass eine Studie schwere Nebenwirkungen beweist. So geschehen bei Merck und seinem Schmerzmittel Vioxx. 2001 führte man drei Studien an Alzheimerpatienten durch. Man wählte schließlich eine on-treatment Analyse, allerdings ist sie nicht die bevorzugte Methode, um Nebenwirkungen zu entdecken. Zu der Zeit behauptete Merck, Vioxx erhöhe nicht das Risiko eines kardiovaskulären Todes. Doch hätte man zur Analyse der Daten eine andere Methode gewählt, wäre man zu einem anderen Ergebnis gekommen. In Wirklichkeit verdreifacht sich das Risiko bei Einnahme von Vioxx. Doch das Mittel wird est drei Jahre später vom Markt genommen. image(3)

Doch die „Vioxx-Saga“ geht weiter: interne Merck-E-Mails belegen die Existenz einer Liste mit den Namen der Vioxx-kritischen Ärzte. In den Mails heißt es, man solle sie „neutralisieren“ oder „diskreditieren“. Offenbar hat Merck auch Forschungseinirchtungen eingeschüchtert, etwa mit der Drohung, den Geldhahn zuzudrehen.

Von 2002 bis 2005 hatte die autralische Merck Niederlassung einen Verlag für die Veröffentlichung des „Australasian Journal of Bone and Joint Medicine“ bezahlt. Es kam wie ein unabhängiges Medizinjournal daher, doch tatsächlich war es kaum mehr als ein Werbeheft. Das allerdings war für die Zehn- bis Zwanzigtausend Ärzte, die das Magazin erhielten, kaum zu erkennen. Während einige Artikel bereits anderswo „peer-reviewed“ (d.h. der Inhalt wird von anderen Experten des gleichen Fachs überprüft; üblicher Standard) abgedruckt worden waren, kamen einige Reports offenbar aus dem nichts. In der zweiten Ausgabe enthielten neun der 29 Artikel Vioxx-freundliche Aussagen, weitere zwölf waren positiv über ein weiteres Merck-Präparat. 2004 hieß es im Magazin zwar, es enthielte Firmentexte, aber der Markenname wurde verschwiegen.

Zu seinen besten Zeiten wurde Vioxx von 80 Millionen Menschen eingenommen.

2010 fand der US-Senat heraus, dass GSK von hohen Risiken beim Diabetesarzneimittel wusste. Die Behörde FDA war blind für die Warnungen der eigenen Wissenschaftler. Im Jahr 2006 machte der Hersteller allein mit Avandia drei Milliarden Dollar Umsatz. Der Bericht sagt aus, wenn alle Avandia-Patienten auf „sicherere“ Arzneimittel umgestellt werde, könnten 300 bis 500 Herzversagensfälle verhindert werden- jeden Monat. Im Sommer 2007 fanden FDA Forscher heraus, das bis dahin etwa 83.000 Fälle von Herzversagen auf Avandia zurückzuführen waren. Glaxo hatte weiters versucht, Ärzte einzuschüchtern.

Die Forschungs-Lüge

Die Industrie wirbt gerne damit, wie viel sie denn forsche. Schließich ist das die Trumpfkarte der Hersteller: wenn sie schon durch dunkle Machenschaften auffallen, dann soll das wenigstens im Dienste der Gesundheit geschehen. Der Verband der forschenden Arzneimittel hat das Forschende bereits im Namen. Zu den Mitglieder im VfA gehören die großen Nummern der Branche: Pfizer, Roche, Sanofi, Novartis, Merck, Lilly, GSK, Lundbeck, Boehringer Ingelheim, BristolMyersSquibb, Bayer, AstraZeneca und Abbott. Und bei den Forschern heißt es dann zum Besipiel: „Medikamenten-Jahrgang 2012 bringt wichtige Fortschritte für Patienten“; „Neue Medikamente gegen Tuberkulose“;“Neue Antibiotika: Den Vorsprung gegenüber resistenten Bakterien wahren“;“Typ 1-Diabetes: Nicht länger unvermeidlich?“;“Neue Medikamente verbessern die Heilungschancen bei Hepatitis C“;“Von listigen Viren und unermüdlichen Forschern“;“Entwicklungsprojekte für Innovative Arzneimittel“;“Neue Arzneimittel gegen Krankheiten der Entwicklungsländer“;“Beachtliche Innovationsbilanz“. Heißt: wir retten die Welt, forschen bis zum Geht-nicht-mehr. Es geht um ihre Gesundheit, und niemals um unseren Profit. Doch tatsächlich bringt die Industrie kaum wirkliche Neuerungen heraus. Das ist auch gesetzlich möglich: in den USA müssen Hersteller laut FDA-Regelung nicht beweisen, dass das neue Mittel besser oder sicherer ist als die alten. Gefordert wir nur der Vergleich des neuen Arzneimittels mit Placebos (Tabletten aus Zucker oder Stärke, also wirkungslos). Das bedeutet, dass man nur zeigen muss, dass das Mittel besser als gar keine Behandlung wirkt.

Beliebt auch die Scheininnovationen: wenn das alte Patent abläuft, verändern die Hersteller ihn minimal und ohne Effekt und lassen ihn für weiter 10, 20 Jahre patentieren. Beispiel Anta/Antramups (AstraZeneca), ein Mittel gegen Magenschmerzen. Kurz vor Ablauf des Patent brachte AstraZeneca Nexium heraus, das denselben Wirkstoff wie Antra hat und sich vom Vorgänger praktisch nicht unterscheidet.

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Es geht um die Rettung der Profite: denn wenn das Patent abliefe, könnten Generikahersteller wie ratiopharm billige Nachahmerpräparate herstellen.

Seit 2011 nun gibt es zum Glück die frühe Nutzenbewertung: anstatt dass die Pharmariesen selbst die Preis festlegen dürfen, müssen sie diese nach dem Zusatznutzen zusammen mit eine Ausschuss abstimmen.

Eine andere Untersuchung setzte die Forschungsetats ins Verhältnis mit den Werbeausgaben. 2004 gaben US-Pharmafirmen etwa 39 Milliarden Euro für Werbung aus, aber nur knapp 22 Milliarden für Forschung. Doch die Autoren der Untersuchungen gehen davon aus, dass die PR-Etats in Wirklichkeit noch höher sind.

Profithilfegruppen

Bezahlte Urlaube, Schecks, Kaffeemaschinen- die traditionellen Geschenkchen von Big Pharma für Ärzte. Doch mittlerweile hat sich in der Branche herumgesprochen, dass Werbung direkt am Patienten mehr Ertrag bringt. Diesen neuen Trend in der Industrie sahen wir bereits im Falle von Madagaskar-Cipralex und der Schleichwerbung in TV und Schrift. Mittlerweile unterwandern die PR-Teams sogar Selbsthilfegruppen. Auch eine Berliner Psoriarisgruppe. Über die 8.000 Euro freuten sie sich zuerst, sie konnten auf die Krankheit aufmerksam machen, Plakat drucken. Doch irgendwann machte die Industrie dann ihre Macht geltend: die Gruppe sollte bei der Politik dafür kämpfen, die Therapien bezahlt zu bekommen, auch die ganz teuren. Gut für Big Pharma! Viele wissenschaftliche Berater der Selbsthilfegruppen stehen auch auf der Pharmagehaltsliste. Und wenn es keine firmenabhängigen Gruppen gibt, dann gründet man welche: zum Beispiel betrieb der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) die Webseite www.selbsthilfe.de und die Firma BASF www.selbsthilfegruppen.de. Und ein Frauenkrebsverein hatte Schleichwerbung für ein bestimmtes Medikament in der Verbandszeitschrift. Und selbst auf wirklich von Selbsthilfegruppen betriebenen Websites sind oft links auf Industrie-Seiten. Und seit kurzem sollen Pharmavertreten anonym in Webforen bestimmte Medikamente lancieren.

Doch gerade im Bereich der Kranken ist es wichtig, dass sie ausführlich und und nicht interessengesteuert informiert werden.

Spione und Lobbyisten

Die Pharmaindustrie beeinflusst wissenschaftlicher Ergebnisse ja nicht nur zum Spaß, es geht um das öffentliche Image. Und auch um die Zulassung der neuen Arzneimittel. In Deutschland ist dafür das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Doch die Pharmabranche ist im gesamten Gesundheitsministerium aktiv. 2012 stellten Polizeibeamte CDs, USB-Sticks, Handys, Festplatten und Speicherkarten sicher. Es handelt sich um eine außerordentliche Äffare: ein IT-Experte und ein Apothekerlobbyisten haben offenbar streng vertrauliche Ministerialintera weitergegeben. Auf jeden Bundestagsabgeordneten kommen rechnerisch zehn Lobbyisten. Die Gebahren der Lobbybezahler sind rabiat: 14 Jahre war die Ex-CDU-Staatssekretärin Cornelia Yzer eine Top-Vfa-Lobbyistin-dann konnte sie ein Gesetz nicht verhindern und musste gehen. Branchendienste sind teils besser informiert als Abgeordnete, und Transparenzregeln fehlen bisher. In den USA fließt gerne viel Geld: 14 Millionen Dollar gab der Verband PhRMA 2012 für Lobbyismus aus, dem unter anderem Abbott, Astellas, AstraZeneca, Amgen, BristoMyersSquibb, Boehringer Ingelheim, Eli Lilly, GlaxoSmithKline, Johnson&Johnson, Merck, Lundbeck, Novartis, Novo Nordisk, Pfizer, Sanofi und Takeda angehören. Neben solchen Branchenverbänden geben die einzelnen Firmen auch so einiges aus: Weltmarktführer Pfizer allein fast neun Millionen Dollar in einem Jahr, GlaxoSmithKline 3,5 Millionen, die globale Nummer zwei Novartis sechs Millionen. Das schweizer Unternehmen Novartis beauftragte dieses Jahr 67 Lobbyisten, es gab 44 Seitenwechsler, also Leute, die zwischen Behördenjobs und der Konzerngehaltsliste hin und herwechseln. Im Dezember 2011 wurde der Einfluss der Pharmaindustrie auf die US-Arzneimittelbehörde FDA nochmal deutlich. Damals beriet ein FDA-Ausschuss über die Nebenwirkungen der Drospirenon-Antibabypillen (bei denen Bayer Marktführer ist). Bei Drospirenon ist das Thromboserisiko doppelt so hoch wie bei vergleichbaren Produkten. Und im FDA-Ausschuss? Dort wurde ein Verbraucherschützer ausgeschlossen, da ein Interessenkonflikt bestand. Aber drei von Bayer bezahlte Mitglieder durften bleiben und die Abstimmung entscheidend beeinflussen (ausführlicher Bericht: sauraandlimon: Bayer und die Pille: Nebenwirkungen, Manipulation, Marktführerschaft https://sauraandlimon.wordpress.com/2012/11/06/bayer-und-die-pille-nebenwirkungen-manipulation-marktfuhrerschaft/).

Sanofi soll verschiedenen Ärztegruppen Millionen gezahlt haben, damit diese sich gegen die Zulassung von Generika einsetzten.

Die Lobby diktiert regelrecht Gesetze. Als Gesundheitsminister Bahr wohl vorhatte, die Interessenvertreter aus den Ausschüsen zu werfen, wurde die Industrie so laut, dass der Vorschlag schnell vom Tisch war.

Manipulation ist leider überall: wissenschaftliche Studien werden zurechtgeschneidert, kritische Wissenschaftler mudtot gemacht. Ärzte werden mit Geschenkchen eingelullt, Patienten durch firmentreue Selbsthilfegruppe und Schleichwerbung. Die Behörden sind besetzt mit Seitenwechslern und Lobbyisten, sie haben ihre Unabhängigkeit verloren.

Der große Bluff

Doch was nutzen die Pillen überhaupt? Die Industrie hat in den letzten Jahren unzählige Mittel auf den Markt geworfen, deren Nutzen zweifelhaft ist. Sogenannte „Lifestyle“-Medikamente wie das weltbekannte Potenzmittel Viagra. Lifestyle bedeutet de facto: Pillen, die man eigentlich nicht braucht. Doch es gibt genug davon: Potenzmittel, Abnehmmittel, Haarwuchsmittel oder Vitaminpräparate. Die Homöopathiebranche ist ein florierender Industriezweig. „Prospan: die Hustenmedizin für die ganze Familie“ hieß es 2004. „Wer befreit mich von meinen Schmerzen?…Wer befreit mich von Fieber?…Wer befreit mich von meinem Schnupfen?“: ein alter Gärtner, eine fiebrige Frau, ein Geschäftsmann, alle mit unterschiedlichen Problemen, eine Lösung: Aspirin complex. Das sagt zumindest die Werbung. Heute gibt es für alles, sogar für den Hauch eines Hustens, Tabletten, Kapseln, Sirup. Wie risikoreich dies ist, zeigt der Fall Prozac. Das Antidepressivum vom Typ SSRI wird von 40 Millionen Menschen weltweit eingenommen, die Hälfte davon in den USA. Zwar ist es wichtig für Patienten, doch viele missbrauchen es als Glückspille, ohne dass es einen medizinischen Grund gäbe. Doch die Nebenwirkungen sind brutal: Suizidgefährdung. Teilweise fallen die Menschen auch nach der Einnahme in Depressionen, das Medikament treibt sie in den Selbstmorde. Es gibt wahre Prozac-Amokläufe. Und Hersteller Eli Lilly bewirbt das Mittel aggressiv.

Während in der dritten Welt Millionen Menschen lebensnotwendige Präparate brauchen, werden wir damit überschwemmt.

Bittere Pillen

Als Wohltäter galt Big Pharma noch nie, doch für viele zeigt sich die ganze Brutalität der Geldmaschine Gesundheit in der dritten Welt, wo Krankheit und Hunger am schlimmsten sind.

Leider bestätigt sich immer wieder die Vermutung, dass Pharmakonzerne gefährliche Mittel in der dritten Welt vermarkten. So wie Chemieriesen ihre in Europa und Nordamerika verbotenen Pestizide weiterhin in Südamerika versprühen, so werden im Westen verbotene Medikamente weiterhin verkauft. So zum Beispiel der ganz aktuelle Fall Buscopan Composto, ein Schmerzmedikament vom deutschen Unternehmen Boehringer Ingelheim- ein Metamizol-Cocktail. Metamizol kam 1922 auf den Markt- doch 1987 wurde es in Deutschland verboten. In Großbritannien wurde es sogar nie zugelasse. Und auch in Dänemark, Schweden, Norwegen, Irland, Australien, den USA, Malaysia, Ghana, Nepal, Nigeria, Pakistan, den Philippinen und Venezuela darf es nicht mehr verkauft werden. In Brasilien hingegen ist Buscopan Composto (Wirkstoffe: Metamizolnatrium und Butylscopolaminiumbromid) frei und ohne Rezept verkäuflich- trotz seiner Risiken. 1990 sprach das Bundesgesundheitsamt bei der Anwendung von Metamizol allein von „erheblichen Risiken“ und bei der Kombination mit anderen Wirkstoffen (wie bei Buscopan Composto: Butylscopolaminiumbromid) könnten die Risiken von Metamizol „erhöht werden“, ohne dass ein „entsprechender zusätzlicher Nutzen der Kombination als gesichert angesehen werden“ könne (BGA 1990). Gegenüber solch klaren Worten verweist Boehringer Ingelheim auf zwei „große unabhängige epidemiologische Studien“ (Reaktion Boehringer Ingelheim , 4.1.13). Diese Studien allerdings werden ihnen allerdings eher weniger unabhängig erscheinen, wenn sie wüssten, dass eine von einem industriefinanziertem Institut durchgeführt wurde und dass die andere von Boehringer Ingelheim und Sanofi Aventis gefördert wurde. Schließlich wird auch noch auf die Arbeit der Gruppe CIOMS verwiesen, die angeblich von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der UNESCO. Zwar sind diese beiden Behörden tatsächlich bei CIOMS vertreten, doch bei CIOMS sind auch „einige“ Pharmaunternehmen Mitglied: Wyeth, Purdue, SanofiAventis, SanofiPAsteur, Schering-Plough, Pfizer, Roche, Novartis, Eli Lilly, Merck, Janssen-Cilag, Johnson & Johnson, Amgen, AstraZeneca, Bayer, GlaxoSmithKline und-nicht zuletzt- auch Boehringer Ingelheim . Unabhängig?

Im Falle Südafrikas zeigt sich nochmal, dass Gesundheit zum knallharten Geschäft geworden ist: 39 Firmen hatten gegen ein dortiges Gesetz geklagt, dass den Import von nachgeahmten Arzneimitteln erlaubte. Dies hätte bedeutet, dass Firmen Markenmedikamente hätten nachahmen dürfen und billig nach Südafrika verkaufen. So wäre den armen Südafrikanern der Zugang zu sonst teuren, da patentierten, Medikamenten erleichtert worden. Doch die fast vierzig Pharmahersteller fürchteten um ihre Profite und überrollten das Land mit einer Klagewelle, die nach internationalen Protesten 2001 glücklicherweise in einer Einigung endete. Für das Land besonders wichtig sind die oft tausende Euro teuren AIDS-Kuren- im Land mit den meisten HIV-Kranken der Welt.

Wer in Europa oder Nordamerika ein neues Arzneimittel zulassen wollen, müssen sie unzählige Ergebnisse aus klinischen Studien, also Tests mit dem Mittel, vorlegen. 1938 reichte für die Zulassung bei der FDA ein Dossier von 30 Seiten, 1968 mussten es mehr als 72.000 sein. Mit höheren Anforderungen stiegen die Kosten für die Zulassungsverfahren. Gerade die klinischen Studien waren ein Geldposten. Früher wurden in den USA oft Schwarze, Arme oder Menschen am Rande der Gesellschaft für Medikamententests missbraucht, jetzt ist die Branche auf Versuche in der dritten Welt umgestiegen. Ein ganzer Industriezweig entwickelte sich- CRO´s (Contract Research Organizations) werden von Firmen mit dem Finden der menschlichen Versuchskaninchen beauftragt. Doch es ist ein sehr unmoralisches Geschäft: sterbenden gibt man nur Placebos, wirkungslose Pillen, die Afrikaner und Inder, die an solchen Studien teilnehmen, werden nicht über die Risiken aufgeklärt. So testete Pfizer 1996 das Mittel Trovan an Kindern im Norden Nigerias . Fünf starben, andere wurden geschädigt. Pfizers Trovan wurde dann auch schnell wieder vom US-Markt genommen. Nicht nur waren die Eltern nicht aufgeklärt worden, auch die nigerianischen Behörden wurden nicht informiert. Eine angebliche Genehmigung der Studie durch eine Ethik-Kommission war gefälscht, die Kommission existierte gar nicht. Und die zweite Gruppe der Kinder erhielt das seit Jahren erprobte Konkurrenzmittel- aber in einer viel zu geringen Dosis. Und jetzt wurde bekannt, dass Pfizer Privatdetektive einsetzte, um den Staatsanwalt des jahrelangen Prozesses gegen das Unternehmen unter Druck zu setzen, indem diese Gerüchte über den Mann in die Presse streuten. Auch ein nigerianischer Ex-Präsident wurde dafür eingespannt, dass Pfizer nicht so viel zahlen muss.

Whistleblower: die Millionenmacher

Dank einer Besonderheit des US-Gesetzes haben Whistleblower besonderen Schutz und die meisten der oben genannten Millionenstrafen entstehen nach den Aussagen von Insidern, die auspacken.

Bild: Whistleblower in der US-Pharmaindustrie (erstellt von sauraandlimon) (für Zoom klicken)

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