Die Kriege von Cochabamba- eine Parabel für die Zukunft des Wassers

Im Jahre 2000 zeigten sich die Folgen der neoliberalen Globalisierung und Privatisierung auf eine brutale, ungeschminkte Weise. Ein westlicher Konzern erwirbt die Wasserrechte und die Bolivianer können kein Wasser mehr bezahlen.

Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF) führen seit den Achtzigern Programme durch, mit denen Entwicklungsländer mit Geldproblemen durch Kredite geholfen werden soll.

Doch was diese „Strukturanpassungsprogramme“ den Dritteweltstaaten abverlangen, ist hart und umstritten. Sparen und privatisieren heißt die Devise. Die Sanchez-Administration begleitete den Weg der Privatisierung von 1993 bis 1997, 1999 setzten die Behörden dann auch den Verkauf der Wasserversorgung durch. Solche Programme unterstützen immer den knallharten Kapitalismus, im Fokus steht immer die Ausbeutung von Billigjobs und Rohstoffen. Doch die Wasserprivatisierung traf viele Bolivianer, die in Armut leben, hart.

Zwar wuchs die Wirtschaft zeitweise wieder, doch zu welchem Preis? Zu einem hohen!

1999 also schloss die Regierung einen 40-Jahres-Vertrag über die Wasserversorgung von Cochabamba, der drittgrößten Stadt des Landes mit der Firma Aguas de Tunari ab, einem Konsortium der Bechtel Corporation aus San Francisco und der International Water Limited aus London ab. In den Wochen nach dem Wasserwechsel verdoppelte oder verdreifachte sich der Preis für Wasser, der Weltbank war dies bekannt. Im Februar 2000 dann legten Demonstranten, die sich das Trinkwasser einfach nicht mehr leisten konnten, die ganze Stadt tagelang lahm mit Streiks und Straßenblockaden. Die Proteste blieben friedlich, bis die Polizei Tränengas einsetzte und damit 175 Demonstranten verletzte. Zwei Menschen erblindeten. Im April schien die Lokalregierung zu Gesprächen bereit, traf sich mit den Vertretern der Protestgruppen. Doch es war mehr eine Farce, denn mitten in den Verhandlungen wurden die Streikführer festgenommen.

Doch die Proteste ließen sich nicht aufhalten, so fanden jetzt Demos vor dem Rathaus statt. In ganz Bolivien gab es Aktionen. Der Sicherheitsapparat reagierte mit Gewalt. Fünfzig Inhaftierungen, dutzende Verletzte, sechs Tote: Bilanz des Staatsterrors. Polizeieinheiten durchsuchten die Wohnungen der Aktivisten, nahmen sie fest, brachten sie in einen Schattenknast im Dschungel.

90 Tage lang galt der Notstand, und Bürgerrechte wurden ausgesetzt. Ausgangsverboten, Festnahme ohne Haftbefehl, Verbot von größeren Versammlungen. Die Pressefreiheit wurde eingeschränkt und Zeitungen erhielten Todesdrohungen. Ein Sender, der Videos von auf Demonstranten schießende Scharfschützen gezeigt hatte, wurde eingeschüchtert, und drei Radiostationen vom Militär besetzt.

Die Behörden haben auch niemals Skrupel gehabt, mit Echtmunition auf friedliche Aktivisten zu schießen.

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Doch am 10.April gibt man eindlich nach und entzieht Aguas de Tunari die Genehmigung. Doch die Konzerne holen noch einmal aus, fordern Entschädigung und klagen, während die Regierung ein weiteres Mal einen Aktivisten festnimmt und gleich wieder laufen lässt. Im Dezember verteidigt der Bechtel-Konzern sein Vorgehen, mach Verschwendung für Preisanstiege verantwortlich. Die Unruhen seien auch nicht auf das Vorgehen des Unternehmens, sondern auf politische Instabilitär zurückzuführen. Die Beschwerde der Firma sei auch nur ein Schlichtungsprozess und keine Klage. Doch die Nicht-Klage gilt als ein Fall von David gegen Goliath, titelt der San Francisco Chronicle am zweiten Februar. Denn die Bechtel Corporation machte im Jahr 2000 einen Umsatz von über 14 Milliarden Dollar, demgegenüber stehen die kläglichen 2,7 Milliarden des bolivianischen Haushalts.

Bechtel und Co. Verlangen 25 Millionen Dollar. 125 Menschen protestieren am 23. April 2002 unter der Federführung von Aktivist Oscar Oliveira, der mehrfach von den Behörden eingeschüchtert wurde, vor der Bechtel-Zentrale. Oliveira sagt, mit den 25 Millionen könne man 125.000 Menschen mit Wasser versorgen.

Der Fall Cochabamba zeigt nicht nur, dass Proteste Erfolg haben können. Er beweist auch die Fehlfokussierung der IWF/Weltbank-Programme, die unnachhaltiges Wachstum fördern, aber soziale Probleme nicht beheben. Die „Wasserkriege“ zeigen, dass in der globalisierten Welt Konzerne mächtiger sein können als ganze Staaten, und dass diese auch das ärmste Land Lateinamerikas noch ausnehmen wollen. Internationale Institutionen schauen willfährig zu, und außer Betroffenen und Globalisierungskritikern scheint niemand in diesem Verhalten etwas Unethisches, gar Falsches zu sehen. Privatisierung ist zu einer Selbstverständlichkeit geworden, unternehmerische Kontrolle über Gemeingüter und lebenswichtige Waren scheint nicht absurd. Aber das ist es doch, oder? Dass Profitinteressen über Leben und Gesundheit von Menschen richten?

El Alto: Geschichte wiederholt sich doch!

2005 wird jedem vierten Bewohner der 800.000 Einwohner-Stadt El Alto der Zugang zum Wasser abgeschnitten-der französische Konzern Suez hat die Wasserrechte für die Stadt aufgekauft. Suez machte den Menschen, die teilweise mit einem Dollar am Tag zurechtkommen müssen, das Leben ganz schön schwer mit einer 500 Dollar Anschlussgebühr. Zuerst schien es auch für die Bewohner von El Alto gut auszusehen, doch die Regierung ruderte zurück-denn Suez hatte mit einer Millionenklage gedroht. Im Fall El Alto soll eine Division der Weltbank sogar direkt Teil des Suez-Konsortiums gewesen sein.

Bildquellen:

oaklandlocal.com

internationalviewpoint.com

boliviawater.wordpress.com

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