Die Geldmaschine

Die heutige Bank hat das Sparschwein abgelöst. Wenn sich einiges an baren Werten zuhause angesammelt hat, dann hamstert man es brav bei einem dergroßen Kreditinstitute. Doch ihr Ruf ist mit der Finankrise angeschlagen: während einige pleitegingen, wird anderen vorgeworfen, von der Krise zu profitieren. Es ist immer eine heikle und moralisch fragwürdige Angelegenheit, worein Banken zur Mehrung ihrer Profite in zwielichtige Geschäfte investieren.

Schmutzige Profite

2012 führten mehrere Nichtregierungsgruppen eine Studie durch. Der Titel : „Dirty Profits“-Schmutzige Profite.

Die Deutsche Bank ist eine, die ihr Fett weg bekommt: Deutschlands größtes Kreditinstitut gilt als Beispiel für „unverantwortliches“ Handeln, auch wenn Chef Josef Ackermann (2002-2012 an der Spitze) sagte, dass kein Geschäft es wert sei, den Ruf der Bank zu riskieren. Ein „slumlord“ (Übersetzung laut leo.org: ausbeuterischer Besitzer eines abbruchreifen Hauses) sei die Deutsche Bank, erklärte der Staatsanwalt von Los Angeles. Er macht den Konzern dafür verantwortlich, das zweitausend Menschen ihr Haus verloren. Außerdem habe die Firma Gründstücke aufgekauft, deren Besitzer illegal rausgeworfen wurden. In der Folge wurde die Bank als einer der „schlimmsten“ Beschuldigten benannt. Weltweit mussten der Frankfurter Geldgeber und andere Banken Strafen zahlen, weil sie Anleger falsch informiert hatten. Ein italienischer Ermittler sprach in diesem Zusammenhang von einer „Plünderungs der Gesellschaft“.

Ein multinationaler Finanzkonzern spielte eine entscheidende Rolle bei der heutigen Eurokrise. Goldman Sachs ermöglichte Griechenland nämlich erst den Eintritt in die Eurozone, indem die Firma Griechenlands Bilanzen schönte.

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Doch die ganze Aktion war kein Freundschaftsdienst, sondern ein Service, der das Land nur 300 Millionen Euro. Und die 2,8 Milliarden Schulden, die Goldman Sachs wegzauberte- ja die müssen auch noch zurückgezahlt werden (mit horrenden Zinsen). Goldman Sachs nennen einige gerne auch „Government Sachs“. Der Grund für den Spitznamen: um die fünfzig Ex-Mitarbeiter, Berater und Lobbyisten des Unternehmens belegen nun Spitzenpositionen in den Regierungen dieser Welt. Einige prominente Beispiele: Mario Draghi, Direktor der Europäischen Zentralbank, und Mario Monti, Italiens aktueller (noch?) Ministerpräsident oder auch Lucas Papademous, bis vor kurzem Griechenlands Staatschef.

Goldman verwaltet Fonds, vergibt Kredite-oft auch an die großen Waffenkonzerne.

Investieren: desto schmutziger, desto lohnenswerter

Wenn eine Bank sich nun überlegt, ob sie in ein Projekt investiert, dann werden ethische Grundsätze eher weniger zählen als die Frage, was am meisten Geld bringt. So kommt es, dass namhafte Institute finanzielle Verbindungen haben zu Atomkraftwerken, Waffenfirmen, Urwaldzerstörern und so weiter- und damit indirekt für deren Taten verantwortlich sind.

Die Commerzbank hat einige verkohlte Deals am Laufen: in West Virginia melden Gemeinden vermehrt Krankheitsfälle, Schwermetalle und Giftstoffe schwimmen in den Gewässern. Denn in der Region wird exzessiv Kohle abgebaut-mit Geld der Commerzbank.

Auch in Kolumbien wird der Steinkohleabbau in Verbindung gebracht mit Menschenrechtsverletzungen wie Verfolgung oder Umsiedlung oder Umweltverschmutzung. Auch hier hat die Commerzbank wohl ihre Finger im Spiel.

Die Deutsche Bank war jahrelang in der Kritik für die Finanzierung von Streubomben. Streubomben zersplittern bei der Bodeberührung in unzählige Teilchen, oder sie bleiben jahrelang als tödliche Fallen liegen. Wenn sie nicht töten, dann verstümmeln sie. 2012 dann wollte die Bank aussteigen-doch auf Druck der US-Partner bleibt das Bombengeschäft teilweise am Laufen. Doch Streubomben sind auf dem absteigenden Ast, ist ihre Produktion und der Verkauf seit einigen Jahren auch in Deutschland illegal-in vielen anderen Ländern gilt dies auch für Investoren.

Die Commerzbank ist kein Einzelfall. Die Gruppe „Urgewald“ zählt folgende Firmen ebenfalls als Klima-Killer auf, da sie in Kohle investieren. De facto ist Commerzbank ja auch nur Nummer vier, hinter den Landesbanken, Unicredit/Hypovereinsbank und -welch Wunder!- auf Platz eins mit breitem Abstand und über zehn Milliarden Kohleeuro: die Deutsche Bank.

„Leistung aus Leidenschaft“: Mit schlechtem Beispiel voran

Fast vierzig Millionen Euro stellten die Deutsche Bank auch für Hydroaýsen bereit, ein umstrittenes Wasserdammprojekt in Chile. Es würde die Umwelt zerstören und Umsiedlungen erfordern. Finanzielle Verstrickungen gibt es auch zwischen den Frankfurtern und einem Ölkonzern, der in Kanadas Teersand Öl abbaut. Der Teersandabbau produziert signifikant mehr CO2-Ausstöße als herkömmliche Produktion. Fast 800 Millionen Dollar sind die Aktien wert, die die Bank im Auftrag von Wal-Mart unterhält. Wal-Mart ist einer der größten Weltkonzerne und bekannnt für Tiefstpreise. Doch diese haben natürlich einen Preis: die Verdrängung von kleineren Unternehmen oder die Behinderung von Gewerkschaften. Wal-Mart agiert im Ausland relativ frei von Moral, kaufte beispielsweise Shrimps aus einer thailändischen Fabrik, in der Arbeiter nicht einmal ausreichende Toilettenpausen erhielten. In Mexiko ist der Billig-Gigant in einen Bestechungsskandal verwickelt gewesen.

In geringer Menge gehören der Bank auch Aktien des Ölunternehmens Lundin, das in Korruption und Menschenrechtsverletzungen verwickelt ist. Burma und Sudan sind nicht gerade die demokratischsten Staaten, aber für den chinesischen Konzern PETROCHINA ist das kein Problem, und so stört es die Ackermann-Bank auch nicht, Aktien der Firma im dreistelligen Millionenwert zu verwahren.

Solche Kooperationen gibt es auch bei vielen anderen kontroversen Projekten, etwa einer indonesischen Mine. Der Konzern Freeport-McMoran kooperiert vor Ort mit Kriegsverbrechern, um ungestört Ökosysteme zu beschädigen (ausführlich: Sauraandlimon, 17. 11.2012, „Ein dreckiges Geschäft“ )

Und die Deutsche Bank wiederum kooperiert mit Freeport. Ein anderer Kunde: die britische Rohstofffirma „Vendana“, deren Abbaustätten nicht nur Wälder und Gewässer, sondern auch indische Kulturgüter zum Opfer fallen. Auch der französische Atomriese Areva, der mit seinem Uranabbau das Trinkwasser verseucht und für Krebsfälle verantwortlich ist, zählt der deutschen Bank als verlässlicher Partner.

Auch der Konzern „Coal India“, der Minen teilweise ohne Erlaubnis betreibt, ist der Bank sicherlich dankbar, hat sie den Börsengang der Firma betreut. Die Bänker schrieben eine 500-Seiten-Broschüre zu „Coal India“s Börsengang, ohne ein einziges Mal die desaströse Geschäftspolitik des Unternehmens zu erwähnen: die Minen, die toxischen Gase, die Feuer, die Absenkung des Bodens, die Zerstörung der Lebensgrundlage für Anwohner von Abbaugebieten. Immer wieder vergab die Bank auch Anleihen an TEPCO- den Skandalbetreiber des Atomkomplexes Fukushima, der 2011 in die Luft flog.

Weiter bei den Waffenfirmen. Bei den Top fünf der Branche hält die Deutsche Bank insgesamt Anteile im Wert von 816 Millionen Euro, und 2,2 Milliarden vergab sie an Krediten.

Saubere Geschäfte kann man das auch nicht nennen, was die Bank da macht, in den Cayman Islands, im US-Bundesstaat Delaware und anderswo. „Schattenfinanzplätze“-mit anderen Worten: Steueroasen, Quellen der Ersparnis, die auch das Frankfurter Unternehmen nicht links liegen lässt.

Wetten, dass…die Preise steigen? Geld durch Hunger

Besonders umstritten sind auch Spekulationen auf die Preise von Grundnahrungsmittel, die laut Kritikern die Preise künstlich in die Höhe treiben. Während solche gesteigerten Kosten in den Industrienationen locker überbrückt werden können, bedeuten sie in der Dritten Welt lebensverändernde Probleme. Trotz der offensichtlichen ethischen Komplikationen sind internationale wie deutsche Kreditinstitute ganz vorne dabei. In fünf Jahren vergrößerte sich das Geschäft großer Banken und Hedgefonds mit dem Hunger von 65 auf 126 Milliarden Dollar. Das Gros der Märkte in diesem Bereich wird heute von solchen Investoren dominiert. Der größte Spekulierer ist Goldman Sachs, auf dem globalen Platz drei Barclays. Dafür erhielt die britische Finanzfirma den Negativpreis „Public Eye Award 2012“. In Kenia erhöhte sich der Preis für Mais um 27%-mehr als ein Viertel. Barclays machte 2011-2012 mit Lebensmittelspekulationen 529 Millionen britische Pfund Gewinn, das Unternehmen ist der schnellswachselnde Spieler auf dem Markt. Deutsche Bank und Allianz gerieten in Bedrängnis, als Foodwatch kürzlich brisante Interna der beiden Firmen publizierten. Entgegen der gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, Spekulation führe nicht zu Preissteigerungen, sprechen diese Papiere eine ganz andere Sprache:

„Auch die Spekulation hat zu Preiserhöhungen beigetragen.“ Deutsche Bank Dokument, 2009

„Es gibt kaum stichhaltige empirische Belege für die Behauptung, dass die zunehmende Bedeutung von Agrarfinanzprodukten zu Preissteigerungen  oder erhöhter Volatilität geführt hat“ Aussage des Deutsche Bank Chefvolkswirts Folkerts-Landau vor dem deutschen Bundestag, Juni 2012

Foodwatch veröffentlichte 2011 auch einen Bericht. Der Titel: „Die Hungermacher“. Die Ergebnisse: per se, so die Autoren, sei eine gewisse Menge an Spekulation für stabile Preise sogar notwendig. Nach der „Dotcom-Blase“ seien solche Rohstoffwetten als sicherer Hafen für Anleger beworben worden, auch wenn Veränderungen im Preis meist rein virtuell seien (z.B. Preisanstiegen nicht wegen Mangel an Ware sondern wegen fallender Aktienkurse). Und während vor einigen Monaten bei der Deutschen Bank noch von einer Abkehr gesprochen wurde, wollen die Frankfurter jetzt doch an der Spekulation festhalten-trotz Kritik von Bundespräsident und Landwirtschaftsministerin. Dabei gibt es doch Aussteiger, Positivbeispiele wie Deka, LBBW, LBB oder die Commerzbank.

Vierzig Millionen Menschen im zweiten Halbjahr 2010-in Hunger und Armut gedrängt, auch durch die Wetten durch Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley, Barclays oder die Deutsche Bank.

Die Ethik des Geldes: Fazit

Während die Situation bei Nahrungsmittelspekulationen relativ klar ist, möchte man bei Investitionen eher nicht an eine direkte Verbindungen glauben. Die Verbindung scheint vage, sie haben doch nur Fonds verwaltet etc.?! Falsch. Denn würden die Banken diese Millionenkredite nicht vergeben, hätten Firmen kein Geld oder zumindest weniger Geld für ihre unethischen Aktivitäten. Wenn die Deutsche Bank also das Staatskonto der turkmenischen Diktatur verwaltet (wie sie es getan hat), ist sie demnach auch als Dienstleister mitverantwortlich für unterdrückte Pressefreiheit, Einschränkung der Reisefreiheit oder Verhaftungen politischer Gegner.

Links

„Geld durch Hunger“ Sauraandlimon-Post über Barclays (16.11.2012) https://sauraandlimon.wordpress.com/2012/11/16/geld-durch-hunger/

„Ein dreckiges Geschäft“ Sauraandlimon-Post überRohstoffgewinnung (17.11.2012) https://sauraandlimon.wordpress.com/2012/11/17/ein-dreckiges-geschaft/

Quellen

Facing Finance, „Dirty Profits-Report on Companies and Financial Institutions Benefiting from Violations of Human Rights “, Dezember 2012

Kritische Aktionäre/Aktionärinnen bei der Commerzbank Hauptversammlung 2012, Reden Werner Huffer-Kilian und Bob Kincaid Welch

Urgewald, „Ist meine Bank ein Klima-Killer?“

Die Zeit, „Streumunition: ein Bombengeschäft“, Nr. 13/2012

Banksecrets.org

Bündnis Andere Banken braucht das Land, Bericht: „Deutsche Bank: die düstere Bilanz der Ära Ackermann“

The Independent, 1.4.2012: „The real hunger games: How banks gamble on food prices-and the poor lose out“

Zeit Online, 24.4.2012 Agrar-Spekulation „Die Deutsche Bank verhält sich verantwortungslos“

http://urgewald.org/kampagne/deutsche-bank

Foodwatch.de (1) Nachrichten zum Thema Lebensmittel-Spekulation (2) Konzernforscher warnten: Spekulation treibt Preise

Human Rights Watch, „Human Rights in Turkmenistan“

Foto: flickr

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