Filmtipp: Woodstock in Timbuktu

Woodstock in Timbuktu

Der Titel dieses Films weckt schon gleich Assoziationen. Alljährlich fand in den Dünen Timbuktus das Festival au Désert statt, ein nomadisches Musikfestival der Tuareg (Eigenbezeichnung: Kel Tamaschek). Eigentlich findet zu dieser Zeit in Timbuktu ein vergrößertes Familientreffen statt, wo sich die Kel-Tamaschek-Familien, sonst über ein halbes Dutzend Länder verstreut, einmal im Jahr sehen. Aber weil Musik eines der wichtigsten Dinge im Leben der Kel Tamaschek ist, sogar ihre Medizin, sagt eine Sängerin im Film, gibt es bei diesem Treffen auch großartige Musik zu hören. Und weil diese sogenannte Weltmusik international immer beliebter wird, lassen die Kel Tamaschek, offenherzig und gastfreudig, auch ausländische Gäste kommen. Das ist die Grundlage des Festivals, das eine Brücke zwischen den zurückgezogenen Nomaden und der westlichen Welt schlägt, in der Vorurteile ausgeräumt und die Freude an der Musik geteilt wird. Zum Beispiel die Gleichberechtigung, die im Tamaschek-Land völlig normal ist.

„Die Gitarre bestimmt mein Leben. Sie ist die letzte Waffe der Kel Tamaschek“ (Ahmed Ag Kaedi, Sänger und Gitarrist, AMANAR, Mali)

Désirée von Trotha nutzt diese Bühne nur als Plattform, um die Kultur der Kel Tamaschek zu zeigen. Sie kennt dieses Volk gut, hat Bücher und Fotobände veröffentlicht, seit nunmehr zwanzig Jahren verbringt sie das halbe Jahr dort.

Doch es ist nicht alles schön im Nomadenland. Fanatische Islamisten streben nach Macht, wollen die Kel Tamaschek unterwandern. Multis greifen nach den letzten Rohstoffen der Wüste, um sie rücksichtslos abzubauen. Und immer wieder geht die Angst um die Kultur um, dass sie irgendwann in der Versenkung verschwindet.Von Trothas Film überzeugt wegen drei Aspekten

1)      der Bildsprache. Kamele auf einer Düne, im Hintergrund die aufgehende Sonne; hunderte Zuhörer, in vor Farbe nur so strotzende Kleider gewickelt, im Abendlicht: das macht die Macht dieses Films aus2

2)       die sehr philosophischen, klugen und so gar nicht kitschigen Statements (und ihre wunderschönen Songtexte) der Interviewpartner, die sorgfältig- und richtig- ausgewählt wurden.

3)       der politische Hintergrund, der im Film hervorragend beschrieben wird.

Fazit: sehen, sehen, sehen.Filmstart regulär in Deutschland: entweder er läuft schon in ihrer Stadt, oder der beginnt zwischen jetzt und dem 4.7.

https://sauraandlimon.wordpress.com/wp-admin/post.php?post=1004&action=edit

„Hand in Hand wird Frieden herrschen und das Böse die Welt verlassen“ (Tartit, „Hand in Hand“)

http://www.woodstockintimbuktu.de/de/fotos.html

Fotos: offizielle Webseite

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