Polizeigewalt: die Selbstzensur der Gesellschaft

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Arme Mülltonnen. Es ist Samstag, der 21.12.2013, und Hamburgs Mülltonnen werden Opfer einer nie dagewesenen (1.Mai ausgenommen) Angriffswelle. Selbst auf am Boden liegende Mülleimer wird eingeprügelt. Was haben diese armen Wesen uns denn getan?

Aber niemand scheint sich dafür zu interessieren. Klar, in der BLÖD-Zeitung erscheint ein Bild von einer angezündeten  Mülltonne ( mir kommen die Tränen), aber im spärlich verwendeten Text kommt das alles nur in ein paar Nebensätzen vor.

Hört sich seltsam an? Soll es auch.

Denn wenn die Medien dieses Landes so einen Aufruhr um Fensterscheiben und Mülltonnen machen, dann läuft etwas schief:

Was sich ändern muss

Wie wäre es denn, mit der einseitigen Berichterstattung aufzuhören. Grundsätzlich sollten die Redakteure der Republik mal lernen, dass Polizeisprecher nicht unbedingt unabhängige Informationsquellen sind. Wer einen Polizeisprecher interviewt, muss der Fairness halber auch einen „Chaoten“ befragen. Passiert aber nicht.  In die Welt des Sports übertragen: Polizeisprecher sind NICHT die Schiedsrichter (diese Rolle sollte den Medien zufallen) sondern die Vertreter einer der Mannschaften.  Der Fernsehzuschauer/Radiohörer/Zeitungsleser erfuhr beispielsweise von Mirko Streiber höchst genaue Zahlen über die verletzten Polizisten, wie viele Demonstranten allerdings von Wasserwerfer und Co. Getroffen wurde, hört/sieht/liest man nicht.  Wie ausgewogen Repräsentanten der Ordnungshüter denken, bewies jetzt Björn Werminghaus Vizechef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DpolG) in Hessen, der die Flora-Demonstranten mal allesamt als „Abschaum“ bezeichnete.

Aber es gibt auch Positivbeispiele: Die Bild-Zeitung hat sich schon Anfang Oktober in einem Bericht über eine aus der Kontrolle geratene Demo ihre kritische Haltung gegenüber der Polizei klargestellt:

„Linke Chaoten haben am Dienstagabend im Schanzenviertel schwere Krawalle angezettelt, Beamte wurden mit Steinen, Flaschen und Leuchtraketen beworfen.

Und das alles nur, weil die Beamten Recht und Ordnung durchsetzen und Illegale kontrollieren.

(…)

Sprecherin Sandra Levgrün (38): „Wir waren mit 1000 Beamten im Einsatz, 350 davon waren extra aus Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen angefordert.“

ZUM GLÜCK!

Denn als sich der nicht angemeldete Demo-Zug in Bewegung setzte, zeigten die Kriminellen ihr wahres Gesicht.“ (Hervorhebungen durch mich)

Die armen Beamten, die doch nur Recht und Ordnung durchsetzen wollten. Wie im April 2005, als Polizeibeamte den Berliner Club Jeton stürmten, wüst auf Partygäste einprügelten und 158 Menschen festnahmen (von denen 152 so offensichtlich nichts getan hatten, dass sie freigelassen werden mussten).  Ein anderes Mal wurde ein Softwareingenieur aus Solingen von drei Bundespolizisten geschlagen, weil er sich weigerte, sich zu setzen

120 Seiten dick ist der Amnesty-Bericht über Polizeigewalt in Deutschland. Es muss sich etwas ändern im deutschen Justizsystem. Solange die Meinungsmacher der Nation die Polizei aber weiter in der Rolle der Schützer der öffentlichen Ordnung, die immer verhältnismäßig reagieren, darstellen, wird sich nichts ändern. Alte Denkmuster – etwa, dass die Gewalt automatisch von den Autonomen ausgeht- müssen ersetzt werden. Vorfälle wie der berüchtigte Hamburger Polizeikessel von 1986 oder der Misshandlungsskandal von 1995 dürfen nicht mehr als isolierte Einzelfälle gesehen werden.

Aber es geht nicht nur um die Presse. Die gesamte Öffentlichkeit muss sich in ihrem Denken befreien. Die Polizei ist nicht zwingend der „Freund und Helfer“. Diese Position ist unsinnig und durch die Realität widerlegt. Ebenso sind die Polizisten nicht immer „Faschistenschweine“. Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo dazwischen. Doch nur öffentlicher Druck bringt die Wahrheit ans Licht, nur so werden Änderungen durchgesetzt. Und ebendieser Druck ist im Moment noch nicht da.

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