Isoliert

1024px-AngolaLAPrison Bild: Gefängnis, in dem Herman Wallace 41 Jahre in Isolationshaft einsass.

80.000 Menschen – ungefähr so viel wie die Einwohner von Konstanz – sitzen in diesem Moment in einer kleinen, kargen Einzelzelle in einer der zahllosen Haftanstalten der “grössten Demokratie der Welt”, den Vereinigten Staaten. Mehr als vierzig US-Bundesstaaten haben in ihren Gefängnssen Blocks, in denen die Haftbedingungen extrem verschärft sind. Oft werden Gefangene, die nicht spuren, in die Einzelzellen geworfen.

Dreieinhalb mal zwei Meter- sieben Quadratmeter messen viele dieser Verliese, in denen die Insassen oft 22 oder mehr Stunden am Tag verbringen. In einigen der Einrichtungen, wie der United States Penitentiary, Administrative Maximum (ADX) in Colorado, sind Telefonate verboten. Der Hofgang, zehn Stunden pro Woche oder weniger, wird in umzäunten Käfigen durchgeführt.

Ein Gefängnis im Gefängnis

Der Aufstieg der “Gefängnisse in den Gefängnissen”, wie die Isolierblocks oft genannt werden, ist eine relativ neue Entwicklung. Schon früher gab es solche Einheiten, doch Häftlinge verblieben dort meist nur wenige Tage, als Strafe für Fehlverhalten. Zwischen 1978 und 2008 jedoch stieg die Inhaftierungsrate unter Amerikas Bevölkerung um das Siebenfache. Hochsicherheitsanlagen, sogenannte supermax prisons, wurden beliebt. Vielerorts bitten die Behörden die Gerichte mittlerweile, kleinere Verbrechen nicht mehr so stringent zu verfolgen, weil die Gefängnisse überfüllt sind. Nirgendwo auf der Welt sitzen so viele Menschen hinter Gittern wie in den USA. Und mit diesen Entwicklungen verlängerte sich auf die Zeit, die Gefangene in Isoliationszellen verbrachten, teilweise auf Monate und Jahre. Isolation wurde zur Normalität im Gefängnisstaat Amerika. Als der US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld 2002 die Verhörmethoden für Guantanamo By festlegte, nannte er explizit Isolation als seine der schwewiegederen Taktiken, Seite and Seite mit Schlafentzug, dem Einsatz von Militärhunden und sogenannten ‘Stresspositionen’.

Die Effekte der Isolation sind oft extrem: Häftlinge leiden unter Depressionen, Psychosen, Schlaflosigkeit, Paranoia und extremen Gewichtsverlust. Auch Selbstmordversuche sind nicht selten. 2011 kam der UN-Sonderberichterstatter über Folter, Juan Mendez, zu dem Schluss, dass nach 15 Tagen Isolation die psychologischen Effekte der Einzelhaft irreversibel werden. Isolationshaft über 15 Tagen definierte er als ‘Folter’ und forderte die internationale Gemeinschaft auf, diese zu ächten. In Kalifornien verbringen Gefangene durchschnittlich 6,8 Jahre in Isolationshaft, in Texas vier Jahre, in Colorado 18 Monate.

„Kooperieren oder gebrochen werden“

1996 wurde Joe Giarratano zum ersten Mal in die Einzelzelle gesteckt, weil er bei der Aufnahme der Gefangenenportraits Grimassen zog.

Er berichtet: “Man sagte mir, ich könne entweder kooperieren oder man werde mich brechem. Ich wurde in eine kleine Zelle, 8 mal 10 Fuss (ungefähr 7.4 Quadratmeter) geworfen. Die Decke war niedrig und es gab kein Fenster. Gitter, davor eine dicke Stahltür um jeden Kontakt zu anderen zu verhindern. Nachdem die Stahltür geschlossen war, wurde das Deckenlicht abgeschaltet. Es war pechschwarz. Ich konnte meine Hand vor meinem Gesicht nicht sehen, geschweige denn die Toilette und das Waschbecken finden. Ich blieb zehn Tage in der Zelle.” Insgesamt verbrachte Giarratano gut acht Jahre in Isolation

Im Oktober 2013 wurden die Langzeitfolgen der Einzelhaft einmal mehr klar. Herman Wallace wurde damals aus der 2 mal 3 Meter grossen Zelle entlassen, in der er seit 1972 einsass. Man hatte ihn wegen Mordes an einem Wärter in der berüchtigten Anstalt Angola im Bundesstaat Louisiana verurteilt. 2013 nahm ein Richter das Urteil, das auf zweifelhaften Zeugenaussagen und Beweisen basierte, zurückgenommen. Zwar starb Wallace an Krebs, doch die vier Jahrzehnte, die er unschuldig in einer winzigen Zelle verbrachte, haben sicherlich zu seinem körperlichen und geistigen Verfall beigetragen. Albert Woodfox, 67, sitzt immer noch wegen der Tat ein, die er mit Wallace und einem weiteren Mann begangen haben soll. Zwar hat ein Bezirksgericht Woodfox’ Verurteilung kürzlich zum dritten Mal rückgängig gemacht, doch die Behörde legte Berufung ein, und so muss Woodfox weiter in einem kargen Verlies in Louisiana hausen.

Quellen

(http://www.amnestyusa.org/research/reports/entombed-isolation-in-the-us-federal-prison-system?page=2). (http://www.slate.com/articles/news_and_politics/jurisprudence/2009/02/reform_school.html)

(http://solitarywatch.com/facts/faq/)

(http://solitaryconfinement.org/uploads/SpecRapTortureAug2011.pdf)

( http://www.amnesty.org/en/news/entombed-life-usa-s-cruel-isolation-chambers-2014-10-04)

Bild: Wikipedia Commons/kccornell

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